•         *[Home] *[Fernsehen] *[Bücher] * [Comics] *[Musik] *[Alltag] * [Zeitgeschichte]

    Sie sind nicht angemeldet.

    Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Das waren noch Zeiten!. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

    1

    Sonntag, 9. September 2018, 17:37

    Was bin ich ?

    Die insbesondere in den 60er/ 70er Jahren äußerst beliebte Quizsendung wurde in diesem Forum bereits mehrfach kurz angerissen, jedoch fehlte bisher eine umfassendere Gesamtdarstellung. Für meine Familie gehörte das Format zur regelmäßigen Fernsehunterhaltung über lange Jahre einfach dazu, obwohl es eher unspektakulär, dafür aber sehr anheimelnd- gemütlich daherkam.
    Vorbild der deutschen Sendung war das seit 1950 laufende amerikanische TV- Quiz "What´s my Line ?", dessen Rechte sich der Fernsehjournalist Robert Lembke über den britischen Ableger im Jahre 1954 sicherte.
    Der 1913 in München als Robert Emil Weichselbaum geborene Lembke weigerte sich in der NS- Zeit, eine sog. "Loyalitätserklärung" hinsichtlich seines journalistischen Schaffens abzugeben und wurde infolge mit einem Berufsverbot belegt. Nach dem Krieg wechselte er zum Bayerischen Rundfunk und machte dort eine steile Karriere bis zum Chefredakteur, stellvertretenden Fernsehdirektor und Programmkoordinator der ARD. 1969 wurde er Geschäftsführer des Deutschen Olympiazentrums in München und sorgte sowohl während der Olympischen Spiele 1972 als auch während der Fußball- WM 1974 dafür, daß Journalisten ausreichend mit Informationen versorgt wurden. Robert Lembke starb im Januar 1989 während einer Herz- OP.
    "Was bin ich" startete am 2. Januar 1955 zunächst noch unter dem Interimstitel "Ja oder Nein ?" im Programm der ARD. Das erste Rateteam bestand aus Hans Sachs, Peter Mauch, der Österreicherin Inge Sandtner sowie der Schweizerin Anja Golz.
    Am 21. März 1958 wurde die Sendung nach 29 Folgen vorläufig eingestellt. Als Ursache werden heute sowohl die mangelnde Motivation des Moderators Robert Lembke als auch zunehmend negative Zuschauerkritiken kolportiert, denen die Fragetechnik zu schematisch erschien.
    1959 versuchte sich Lembke daher mit einem neuen Quiz, dem "Spiel mit Worten", das aber auf die nahezu einhellige Ablehnung der Zuschauer stieß, so daß es ab Februar 1961 zu einer Neuauflage von "Was bin ich ?" kam. Das neue, vielen damaligen Zuschauern in Erinnerung gebliebene "klassische" Rateteam bestand nun aus Hans Sachs, Annette von Aretin, Guido Baumann und Marianne Koch. Letztere wechselte sich zwischen 1965 und 1979 häufig mit Anneliese Fleyenschmidt ab.
    Ab 1956 war Lembkes Foxterrier "Struppi" häufiger Gast der Sendung, der nach seinem Tod bis 1968 von "Jacky" abgelöst wurde. Beide Tiere hatten neben ihrem Unterhaltungswert die Aufgabe, die "Schweinderl" und somit die Fünfmarkstücke zu "bewachen". Nach 1968 verzichtete Lembke auf die Hereinnahme weiterer Hunde ins Aufnahmestudio.
    Bis 1973 wurden zwölf Sendungen pro Jahr produziert, so daß viele Zuschauer den liebgewonnenen Termin "einmal im Monat" gut im Gedächtnis behielten. Ab 1974 wurde die Zahl der Folgen auf acht im Jahr reduziert.
    Das Quizschema blieb über die mehr als drei Jahrzehnte der Ausstrahlung weitgehend gleich. Das vierköpfige Rateteam mußte anhand von Fragen, die nur mit "Ja" oder "Nein" zu beantworten waren, den Beruf von drei Studiogästen erraten. Der Gast unterschrieb nach dem Eintreten ins Studio zunächst auf einer Tafel, kreuzte zusätzlich an, ob er angestellt oder selbständig war, und führte dann eine für seinen Beruf typische Handbewegung aus. Nach einem Gongschlag des Moderators wurde die Berufsbezeichnung eingeblendet. Viele Fernsehzuschauer verschlossen dabei ihre Augen, um mitraten zu können.
    Jedes Mitglied des Rateteams durfte solange Fragen stellen, bis eine Frage mit "Nein" beantwortet wurde. Für jedes "Nein" warf Lembke ein Fünfmarkstück in ein Sparschwein, das der Kandidat aussuchen und behalten konnte. War beim zehnten "Nein" der Beruf noch nicht erraten, war die Runde beendet, das "Berufsgeheimnis" des Kandidaten wurde gelüftet, so daß dieser im günstigsten Fall fünfzig Mark gewinnen konnte. Bis zur Einstellung von "Was bin ich ?" im Jahre 1989 wurde die maximale Gewinnsumme trotz mittlerweile gesunkener Kaufkraft nie erhöht. Die "Schweinderl" wurden so zu einem Markenzeichen der Sendung und gingen mit dem Satz: "Welches Schweinderl hätten´s denn gern ?" auch in die deutsche Umgangssprache dieser Jahre über.
    In der abschließenden vierten Runde trat stets ein prominenter Gast auf, den das Team erraten mußte. Dazu setzten sie Sichtmasken auf, und Fragen wurden durch den Moderator beantwortet, um rasche Stimmerkennungen zu vermeiden. Bei jedem "Nein" gab es ein jeweils auf die persönlichen Vorlieben des Prominenten bezogenes Geschenk. In Einzelfällen zogen sich Mitglieder des Rateteams "ehrenhalber" aus der Runde zurück, insbesondere wenn sich herauskristallisierte, daß persönliche Bekanntschaften vorlagen.
    Zur meistgebrauchten Formulierung entwicklelte sich im Lauf der Jahre die Floskel: "Gehe ich recht in der Annahme, daß...?", um Verwirrungen bei negativ formulierten Fragen zu vermeiden.
    Auch Realsatire hielt in das beliebte Quizformat gelegentlich Einzug. Als einst der gesuchte Beruf einer "Hausfrau" im Raum stand und Ratefuchs Guido Baumann fragte: "Kann dieser Beruf auch von einem Mann ausgeübt werden ?", antwortete Lembke salomonisch ganz im Zeitgeist der 60er Jahre: " Na, da sagen wir mal Nein". Letztendlich konnte einer der häufigsten Berufe der damaligen Jahre nicht erraten werden ;) .
    1975 gab es Überlegungen, die Sendung von der "Prime Time" an Dienstagabenden auf den Samstag Nachmittag zu verlegen, wogegen sich Lembke aber erfolgreich zur Wehr setzte.
    In der Sendung vom 29. Juli 1980 tauschte Lembke mit Guido Baumann geflissentlich den Platz, als am Schluß der prominente Ehrengast (Julia Migenes) erraten werden sollte. Somit saß der Moderator zum ersten und letzten Mal mit im Rateteam.
    Bis in die späten 80er Jahre moderierte der mittlerweile 75- jährige Robert Lembke sein äußerst kostengünstig zu produzierendes Quizformat vor weitgehend unveränderten Kulissen mit großem Erfolg. Im Jahre 1969 wurden Einschaltquoten von bis zu 75 % erreicht, die sich allerdings bis Mitte der 80er Jahre auf immer noch beachtliche 40 % verringerten. 1989 endete die Serie jedoch abrupt nach insgesamt 337 Folgen, da am 14. Januar Robert Lembke im Deutschen Herzzentrum in München während einer Operation verstorben war.
    In den Folgejahren gab es unterschiedliche Versuche, das Format ohne seinen langjährigen Moderator weiterzuführen. Das erfolgloseste war wohl "Heiter weiter", bei dem Guido Baumann Lembke´s Part übernahm. Deutlich besser erging es "Ja oder Nein", nicht zuletzt weil sich diese Version relativ weit von dem Lembke- Quiz entfernte. Elf Jahre später gelang es Kabel Eins, die Sendung mit zahlreichen Anleihen beim Original unter dem alten Titel "Was bin ich ?" für ein nachgewachsenes Publikum für eine gewisse Zeit zu reanimieren. Jedoch hatte sich der Zeitgeist gewandelt, da viele Zeitgenossen sich mittlerweile nicht mehr vorwiegend nur über ihren Beruf definieren wollten, und 2005 wurde auch dieses Format endgültig eingestellt.
    www.youtube.com/watch?v=UnAMYsbcnKE
    www.youtube.com/watch?v=lczSg95LEzo
    www.youtube.com/watch?v=faWBSarwhYs
    www.youtube.com/watch?v=EGhQ_Vr2TnQ