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    Samstag, 31. Oktober 2020, 12:25

    Sternstunden des Spielfilms der 50er und 60er Jahre: Jean Marais

    Ich glaube, ueber Jean Marais und seine historischen Filme gibt es noch keinen thread in DwnZ.
    Deshalb moechte ich einen Versuch starten.
    Zwischen 1964 und 1974 wuchs ich in Braunschweig auf, also im Bereich des sogenannten Zonenrandgebietes. Wir konnten DDR 1 empfangen, hatten also vier Fernsehsender (Nord III, ARD, ZDF und DDR 1).
    Hin und wieder lief im DDR Fernsehen ein alter Jean Marais Film.
    "Orphée" aus den 40er Jahren sah ich erst viele Jahre spaeter, und fuer die drei "Fantomas" Filme konnte ich mich nie so recht begeistern, das war mir zu unrealistisch, aber Jean Marais wirkte in der m. E. besten Verfilmung von "Der Graf von Monte Christo" mit.
    Diese Verfilmung sah ich mir Ende der 60er Jahre im DDR Fernsehen in den Sommerferien bei meinen Grosseltern an, die damals noch bei Leipzig wohnten, ehe sie spaeter nach Eberswalde umzogen.
    Es war fuer mich die erste Monte Christo Verfilmung, die ich sah, und spaeter folgten dann noch einige mit Richard Chamberlain und anderen Darstellern, aber die 1954 Version mit Jean Marais bleibt fuer mich bis heute der Goldstandard, an dem ich jede andere Monte Christo Verfilmung messe.
    Das Buch von Alexandre Dumas habe ich voller Begeisterung gelesen, und war ausserdem 1975 und 1985 zweimal auf Château d'If, der Marseille vorgelagerten Gefaengnisinsel, wo der fiktive Edmond Dantès im Roman viele Jahre eingekerkert war, um dann mit der Hilfe des Abbé zu entkommen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ch%C3%A2teau_d%E2%80%99If
    Der andere beruehmte Gefangene auf Château d'If war der Mann mit der eisernen Maske, der zuvor im Gefaengnis auf der Ile Sainte Marguerite (Iles des Lérins) bei Cannes einsass.

    Viele Jahre spaeter, das muss Mitte der 90er Jahre gewesen sein, strahlte ARTE die Jean Marais Monte Christo Verfilmung aus, da nahm ich sie mir auf, denn zu dem Zeitpunkt wurde im deutschen Fernsehen leider nur noch viel Mist wiederholt, aber solche Perlen des alten franzoesischen Films waren eher selten.
    Weitere historische Abenteuerfilme mit Jean Marais, die mir in Erinnerung geblieben sind (weil ich sie in den 80er und 90er Jahren im Fernsehen aufnahm) sind "Die eiserne Maske", "Le bossu", "Fracasse", "Le capitan", "La Tour, prends la garde" und "Le miracle des loups".
    Auf TCM sah ich dann um 2007 herum "La belle et la bête" mit Jean Marais, der hier in den USA als sein beruehmtester Film gilt.

    Als mein Mann und ich im Oktober 2013 Urlaub in Italien machten, fuhren wir einen grossen Umweg, um von der Stadt aus, die der Insel Monte Christo am italienischen Festland am naechsten liegt, einen Bootsausflug nach Monte Christo zu machen, doch dabei stellte sich leider heraus, dass man zu einem anderen Hafen (2 Stunden weiter entfernt) fahren muss, und dass die Bootstouren auf 2 Jahre im voraus ausgebucht seien, da nur 1.000 Touristen pro Jahr auf die Insel Monte Christo gelassen werden:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Montecristo_(Insel)

    Monte Christo ist ein Naturschutzgebiet.
    Hier sind auch die deutschen Filmtitel aufgelistet:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Marais
    Ich wuerde mich sehr freuen, wenn Ihr nun Eure Jean Marais Erinnerungen mit mir teilen wuerdet.

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    Samstag, 31. Oktober 2020, 15:04

    Jean Marais

    In meinen jungen Jahren war der damals auch in Deutschland sehr bekannte Filmschauspieler für mich stets eine Art französischer Gegenentwurf zu dem zu dieser Zeit noch äußerst populären Hans Albers, obwohl dieser Vergleich, betrachtet man das künstlerische Oeuvre der beiden Schauspieler , etwas hinken mag. Beeindruckend war auf jeden Fall das körperliche Erscheinungsbild der beiden "Recken".
    Nicht allzu vielen Zeitgenossen dürfte dagegen noch bekannt sein, daß Marais homosexuell war und über lange Jahre eine Beziehung zu dem legendären Dichter Jean Cocteau (1889- 1963) unterhielt, der 1937 auf den attraktiven jungen Schauspieler aufmerksam wurde und ihm u.a. Hauptrollen in seinen Theaterstücken zuschanzte. Das Verhältnis zwischen Cocteau und Marais dauerte ein Vierteljahrhundert, und den Tod seines langjährigen Freundes und Mentors konnte Marais nie ganz überwinden, wie er in seiner Autobiographie "Spiegel meiner Erinnerung" beschrieb, die 1982 auch in deutscher Übersetzung erschienen ist.
    Der 1913 in Cherbourg geborene Jean Alfred Villain- Marais durchlebte keine einfache Kindheit und Jugend. Seine Eltern trennten sich bereits, als er fünf Jahre alt war, auch wurde er aufgrund seines extrovertierten Verhaltens mehrfach von der Schule relegiert. 1936 nahm er Schauspielunterricht an der Schule von Charles Dullin und ergatterte zunächst nur einige kleinere Film- und Bühnenrollen.
    Erst im Jahre 1943 gelang Marais als moderner Tristan in Jean Delamoy´s "L´Eternel Retour" der internationale Durchbruch und wurde rasch auch in Frankreich zum gefeierten Film- und Bühnenstar, u.a. mit "La Belle et la Bete" von 1946 oder mit der Titelrolle in "Orphée" von 1949.
    1955 verkörperte er Edmond Dantès in Robert Vernays "Der Graf von Monte Christo", eine Rolle, in der Marais auch sämtliche ihn betreffenden Stuntszenen selbst übernahm.
    In den 60er Jahren wurde er einem internationalen Publikum u.a. durch die drei "Fantomas"- Filme von André Hunebelle sehr bekannt. Hier konnte er sein komödiantisches Talent als Gegner von Kommissar Juve, genial verkörpert von Louis de Funès, voll zur Geltung bringen.
    Mir ist Marais neben seinen "Fantomas"- Rollen vor allem durch die Figur des Alessandro Cagliostro in dem ZDF- Adventsvierteiler "Cagliostro" von 1973 in persönlicher Erinnerung verblieben.
    Im weiteren Verlauf der 70er Jahre zog sich Marais weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück und war nur noch selten im Fernsehen oder auf der Leinwand zu sehen. Im wesentlichen wurden nun die Malerei, Töpferei und Bildhauerei zu seinem Lebensinhalt.
    Jean Marais starb am 8. November 1998 im Alter von 85 Jahren in Cannes an den Folgen einer Lungenentzündung.

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    Mittwoch, 18. November 2020, 20:26

    Einige Filme von Ihm befinden sich auch in meinem DVD Regal und weil ich heute Abend mir einer meiner letzten Errungenschaften anschaue meine Meinung dazu.
    Den Grafen von Monte Christo habe ich mir erst letzten Winter angesehen vorher kannte ich diese Version noch nicht.
    Denn er ist meines Wissens ja auch nicht im Fernsehen gelaufen nur wie Chrissie schon schrieb im DDR Fernsehen.
    Aber auch ich finde das es von den halben Dutzend Versionen die ich kenne die schönste ist.
    Mir hat er sehr gut gefallen.
    Aber noch besser fand ich "Der Gejagte, Ritter der Nacht" den ich mir vor ein paar Wochen mal zu Gemüte geführt habe.
    Und heute Abend gibt er mit "Mein Schwert für den König" seine Vorstellung.
    Alles Abenteuer die mir schon seit meiner Kindheit die liebsten sind.

    Alle drei gibts bei filmjuwelen und sind mit umfangreichen Booklets ausgestattet. :thumbsup: