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    Freitag, 5. April 2019, 10:40

    Chrissie's Bilder aus der Neuen Welt :) Teil 1 d

    Dass fuer mich die Auswanderung zumindest in zweierlei Hinsicht einen positiven Ausgang hatte, das hatte ich schon erwaehnt.
    Ich fand nach Jahren des aktiven Suchens endlich meinen Traummann hier in Massachusetts (musste mir also doch keinen Mann selbst backen wie von etlichen deutschen Kolleginnen und Freundinnen vorgeschlagen wurde :D ), und ich hatte endlich Zugang zu all den alten Filmen aus den 40er und 50er Jahren, die es in sehr eingeschraenktem Maasse in den fruehen 70er Jahren samstags nach der Disco im Spaetprogramm der ARD nach "Das Wort zum Sonntag" gab.
    Bei Zweitausendeins an der Grindelallee in Hamburg hatte ich mir ca. Anfang der 90er Jahre 7 Bildbaende ueber die grossen movie production companies zugelegt, also Warner Brothers (my favorite), 20th Century Fox, RKO, Columbia, MGM usw.
    Und als ich darin die Filme aus den 40er und 50er Jahren durchblaetterte, da packte mich der blanke Neid, was uns Deutschen so alles vorenthalten wurde! :cursing:

    Daraufhin machte ich mir eine film noir Wunschliste mit etwa 300 Titeln.
    2002 wanderte ich aus, und zunaechst tat sich nicht viel in punkto alte Filme finden, denn ich lebte fuer 3,5 Jahre in der Wildnis von Maine auf einem Huegel mitten im Wald in einer ehemaligen dairy farm mit grosser Scheune. Mein zweiter Ex-Mann war extrem geizig, obwohl er gut verdiente, und unser Kabelsenderpaket hielt sich sehr in Grenzen.
    Das einzige TV Highlight in den Jahren 2002 bis Ende 2005 im US Fernsehen war fuer mich eine Serie ueber die Ermordung Kennedy's auf dem History Channel. Da liefen im November 2003 zum 40. Todestag von JFK 9 Teile einer urspruenglich zehnteiligen Serie mit dem Titel "The Men who killed Kennedy".

    Teil 10 musste vom Regisseur zurueckgezogen werden, da bestimmte einflussreiche Leute in den USA auf keinen Fall zulassen wollten, dass in Teil 10 verraten wird, wer JKF ermordet hatte (Lee Harvey Oswald war es jedenfalls nicht).
    Diese 9 Teile nahm ich mir auf, und da ich damals eh gerade alle 700 VHS Kassetten aus Germany mittels eines Samsung Konverters vom europaeischen PAL System auf's amerikanische NTSC System umwandelte und mir auf DVD's brannte, konnte ich bei der History Channel Serie gleich alle Werbungen rausschneiden, und das waren nicht wenige.
    Vom deutschen Fernsehen war ich in einer Hinsicht verwoehnt: es gab nur ca. alle halbe Stunde eine 6 bis 7 minuetige Werbung, bei der man in Ruhe auf's Klo gehen, sich Getraenke holen etc konnte.
    In den USA gibt es alle 11 bis 12 Minuten eine dermassen kurze Werbung, dass man noch nicht mal pinkeln gehen kann. Richtig gemein. Viel zu oft Werbung, aber viel zu kurz! :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:
    Ab 2007 hatten wir dann Zugang zum Sender TCM, wo ich an die 200 Wunschfilme von meiner Wunschliste im Laufe der ersten 2 oder 3 Jahre fand und mir aufnahm (nicht alles gibt es auf Kauf DVD's). Den Rest fand ich bei www.ioffer.com und amazon.com, hin und wieder auch bei eBay.
    Etwa 16 von Anfangs 300 Filmen konnte ich nie auftreiben (und die Liste ist mir vor ca. 2 Jahren leider abhanden gekommen).
    Also in privater wie auch in filmischer Hinsicht war die Auswanderung fuer mich like being a kid in a candy store. Fuer Cineasten ist es ein Paradies!
    Und in einer weiteren Hinsicht hat sich meine Auswanderung auch sehr gelohnt!
    Ich bin eine ausgesprochene Leseratte und zog schon von Kindheit an englische und amerikanische Autoren den deutschen Schriftstellern vor.

    Noch in den 90er Jahren konnte ich den bedenklichen Trend der deutschen Verlage beobachten, die immer weniger Romane aus dem Englischen ins Deutsche uebersetzten, stattdessen zu meinem Leidwesen immer mehr deutsche Autoren veroeffentlichten.
    Besonders frustrierend fand ich es, wenn nur Teile von Buch-Serien ins Deutsche uebersetzt wurden, beispielsweise "Das blaue Fahrrad" von Régine Desforges, die Nachfolgebaende kamen nicht auf Deutsch heraus.
    Oder "Die Schulfreundinnen" (Class Reunion) von Rona Jaffe, die Fortsetzung "After The Reunion" wurde nie ins Deutsche uebersetzt, obwohl Jahre spaeter ploetzlich ganz unvermutet "Der Weg der Rose" von Jaffe auf Deutsch erschien.
    Das Buch "After The Reunion" musste ich mir ueber eine Hamburger Buchhandlung bestellen und las es dann im Sommer 1991 mit Hilfe eines Woerterbuchs.

    Eine meiner Lieblingsautorinnen ist Anne LaBastille, deren Woodswoman Tetralogie sich hier in den USA nach wie vor grosser Beliebtheit erfreut, ein Dauer-Bestseller. Das Schweizer Verlagshaus brachte ihren ersten und zweiten autobiographischen Band ueber ihr Wildnisleben in den Adirondacks in den 80er Jahren auf Deutsch heraus, aber den 3. und 4. Band liessen sie unuebersetzt.
    https://www.amazon.de/Frau-Wildnis-Anne-…ps%2C240&sr=1-4
    https://www.amazon.de/Die-Waldfrau-Leben…Anne+LaBastille
    Hier sieht man den Unterschied (siehe "Werke"):
    https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_LaBastille
    https://en.wikipedia.org/wiki/Anne_LaBastille

    "Die Zwillingsschwestern" (US Titel "Deceptions") mit Stefanie Powers, Bruce Bostwick und Gina Lollobrigida basiert auf einem Roman von Judith Michael, von dem etwa 70 Seiten weniger ins Deutsche uebersetzt wurden als im Original (ich besitze die dt. und die US Ausgabe). Obwohl Judith Michael auch in Germany erfolgreich war, liess man die Fortsetzung von "Deceptions" mit dem Titel "A Tangled Web" unuebersetzt. Ich fand sie ehrlich gesagt noch besser als den ersten Band.
    Ganz extrem machte es der deutsche Verlag von Nelson DeMille: "In den Waeldern von Borodino" ist die deutsche fragmentarische Uebersetzung von "Charm School", einem 533 Seiten starken Waelzer, wo man im Deutschen ueber 150 Seiten weggelassen hat. Ich verglich Kapitel fuer Kapitel, als ich beide Buecher parallel las, und schrieb eine lange Rezension darueber in amazon.de. Solche Verlage sollten sich schaemen, nicht in der Lage zu sein, ein englischsprachiges Werk wortgetreu ins Deutsche zu uebersetzen, sondern sich Freiheiten wie Textkuerzungen herauszunehmen, die der Roman-Uebersetzung schaden.

    1994 machte ich im Oktober eine Reise durch Ost-Kanada, damals existierte noch The World's Biggest Bookstore in Toronto, der mittlerweile auch Barnes & Noble zum Opfer gefallen ist. Da ich fast jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse fuhr, wusste ich, welche tollen Buecher uns Deutschen entgingen, und hatte sowohl 1988 auf der 1. USA Reise als auch 1994 auf der Kanada Reise eine Buecherliste mit dabei, um mir die Buecher vor Ort zu kaufen anstatt in Hamburg 6 bis 8 Wochen auf die Buchlieferung aus den USA zu warten (und dann das Dreifache fuer das Buch zu bezahlen wegen der Lieferkosten).
    Buecher sind zum Glueck zollfrei, und man darf sich soviele Buecher aus den USA mit nach Germany bringen, wie man schleppen kann (und das waren bei mir jedesmal 25 gebundene Buecher, teilweise Bildbandformat, da ich Filmbuecher sammelte).
    Ich brachte mir 1994 u. a. "The Kennedy Women" von Laurence Leamer mit, weil Kennedy Buecher meist nicht ins Deutsche uebersetzt werden.
    Man kann sich meine Ueberraschung vorstellen, als ich Anfang November wieder in Deutschland war, und von einer Freundin hoerte, dass das Laurence Leamer Buch von Bertelsmann ins Deutsche uebersetzt wird (ich meine mich zu erinnern, dass die zweite Frau von Willy Brandt eine der Uebersetzerinnen war).
    Ich bekam die deutsche Ausgabe zu Weihnachten 1994 geschenkt, und konnte so Kapitel fuer Kapitel vergleichen. Man hatte den Familienstammbaum im Deutschen um zig Seiten gekuerzt, aber den Text sonst korrekt uebersetzt.
    Allerdings brachte der deutsche Bertelsmann Verlag nur 30 der insgesamt 70 Fotos der US Originalausgabe heraus, insofern war ich froh, auch die US Ausgabe zu besitzen.
    Was ich an der dt. version bloed fand: die altbekannten Kennedy Fotos hatte man aus der US Ausgabe uebernommen, die "neuen" Fotos von im Text oft erwaehnten Freunden oder Cousinen in der dt. Ausgabe weggelassen. Dabei waeren gerade diese "neuen" Fotos, die man noch nie zuvor in anderen Kennedy Buechern veroeffentlicht hatte, von groesserem Interesse gewesen als die same old same old Fotos, die man hinlaenglich aus Dutzenden von bereits ins Deutsche uebersetzten Kennedy Buechern kannte. :cursing:

    Mittlerweile hat der Trend in Germany solche Auswuechse angenommen, dass selbst die erfolgreichen Inspektor Banks Krimis von Peter Robinson seit 3 oder 4 Jahren nicht mehr ins Deutsche uebersetzt werden, Barbara Erskine und Carlene Thompson werden nicht mehr uebersetzt, meine Freundin Nancy Thayer schon seit dem Jahr 2000 nicht mehr, Nelson DeMille's letzte 4 Buecher wurden auch nicht mehr vom deutschen Verlag angeruehrt. Hier in den USA sind all diese Autoren unvermindert erfolgreich, aber Deutschland isoliert sich immer mehr von den angelsaechsischen Autoren. WARUM??? :?: :?: :?:

    Einzig der Heyne Verlag uebersetzt noch Mary Higgins Clark.

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    Freitag, 5. April 2019, 16:56

    The men who killed Kennedy

    Jetzt wird´s spannend. Hat sich denn herumgesprochen, wen der Regisseur in Folge 10 als Mörder Kennedy´s benennen wollte ? Oft wird ja vermutet, daß Kennedy dem wirtschaftlich- militärischen Komplex im Wege stand, den schon Eisenhower am Ende seiner Amtszeit anprangerte.
    Der mangelnde Mut deutscher Verlage zur Herausgabe angloamerikanischer Autoren dürfte auch mit den tendenziell kleineren Auflagen und den entsprechend höheren Kosten für qualitativ gute Übersetzungen zu tun haben. Verleger haben heute kein leichtes Spiel. Der Markt ist geradezu überschwemmt mit Belletristik, und daraus die potentiellen Bestsellerautoren herauszufiltern, ist enorm schwierig.
    Hinzu kommt die oft vorhandene Leseunlust der jüngeren Generation. Meine beiden Töchter bilden da eher eine Ausnahme. Vielleicht liegt´s auch am elterlichen Vorbild, da beide relativ viel lesen.
    Homer Simpson hat es in den 90ern einmal so formuliert: "Das Fernsehen bietet Dir sooo viel und verlangt von Dir sooo wenig !". Dazu kamen in den letzten zwanzig Jahren noch Smartphone und Internet.

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    Sonntag, 8. März 2020, 18:29

    RE: The men who killed Kennedy

    Nein, Uwe, leider konnte ich nie im Internet in Erfahrung bringen, wer der wirkliche Attentaeter in Teil 10 war. Der Regisseur hatte vermutlich Angst um sein Leben, da ja erstaunlich viele Zeugen der Dealey Plaza Vorkommnisse des 22.11.63 unter mysterioesen Umstaenden ums Leben kamen, teils sogar schon VOR ihrer Befragung durch die Warren Kommission bzw die Kommission ignorierte einfach ihre Zeugenaussagen, was in meinen Augen dafuer spricht, dass auch die Regierung in die Ermordung JFK's verstrickt war.

    Aber ich habe mir die ersten 9 Teile gerade nochmal ueber die Fernleihe vorbestellt, da ich meine alten Aufnahmen von 2003 nicht wiederfinden konnte.
    Eins steht fuer mich fest: der toedliche Schuss wurde weder aus dem 6. Stock des School Book Depository noch vom Grassy Knoll abgegeben.
    Ein Autor namens Groden hat in seinem Buch "The Killing of a President" bewiesen, dass der toedliche Schuss von unterhalb der Limousine und zwar eindeutig von vorn auf JFK abgegeben wurde, denn nur so ist zu erklaeren, dass seine Schaedeldecke von ihm weg fliegt.
    In einem der 9 Teile von "The Men who killed Kennedy" wurde dann sehr ueberzeugend dargelegt, dass der toedliche Schuss von einer Gulli-Oeffnung UNTERHALB des Grassy Knoll am Strassenrand kurz vor der Durchfahrt unter der Bruecke abgegeben wurde.
    Der Tunnel zu diesem Gulli kann vom Zaun hinter dem Grassy Knoll bestiegen werden.
    Oswald konnte JFK vom 6. Stock aus bestenfalls von hinten treffen, aber nie und nimmer von schraeg vorn unten. Trotzdem gibt es in Facebook eine ewig gestrige "Oswald war der Taeter" Verfechtergruppe mit dem Gruppennamen "Fair Play for JFK". Von Zeit zu Zeit mach ich mir einen Spass daraus, sie darauf hinzuweisen, dass die Schadeldecke niemals HINTER JFK haette wegplatzen koennen, wenn Oswald wirklich JFK vom 6. Stock und hinterruecks erschossen haette.
    Kann ja sein, dass Oswald auch geschossen hat, aber er war nicht der einzige Attentaeter (und damit handelt es sich um eine Verschwoerung).

    Ich vermute, der Lesegeschmack der Deutschen hat sich seit 2000 sehr veraendert, denn sonst wuerden die Bestseller von Nelson DeMille, Barbara Erskine, Peter Robinson etc sicher noch auf Deutsch erscheinen.
    Ja, in Buch Journal sehe ich Jahr fuer Jahr, dass es reichlich Belletristik in Deutschland gibt, aber leider von Autoren, die mich absolut nicht reizen und halt ueber Themen, die mich kalt lassen.
    Stimmt, das Internet stiehlt mir viel Lesezeit. ;( ;( ;(
    Jetzt wird´s spannend. Hat sich denn herumgesprochen, wen der Regisseur in Folge 10 als Mörder Kennedy´s benennen wollte ? Oft wird ja vermutet, daß Kennedy dem wirtschaftlich- militärischen Komplex im Wege stand, den schon Eisenhower am Ende seiner Amtszeit anprangerte.
    Der mangelnde Mut deutscher Verlage zur Herausgabe angloamerikanischer Autoren dürfte auch mit den tendenziell kleineren Auflagen und den entsprechend höheren Kosten für qualitativ gute Übersetzungen zu tun haben. Verleger haben heute kein leichtes Spiel. Der Markt ist geradezu überschwemmt mit Belletristik, und daraus die potentiellen Bestsellerautoren herauszufiltern, ist enorm schwierig.
    Hinzu kommt die oft vorhandene Leseunlust der jüngeren Generation. Meine beiden Töchter bilden da eher eine Ausnahme. Vielleicht liegt´s auch am elterlichen Vorbild, da beide relativ viel lesen.
    Homer Simpson hat es in den 90ern einmal so formuliert: "Das Fernsehen bietet Dir sooo viel und verlangt von Dir sooo wenig !". Dazu kamen in den letzten zwanzig Jahren noch Smartphone und Internet.