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    Montag, 9. April 2018, 22:24

    Bewegende Momente der 60er Jahre - Der Tod und die Beisetzung Konrad Adenauers 1967

    Ich muß gestehen, daß ich als damals zehnjähriger Schüler im Übergangshalbjahr 1967 (bedingt durch die Kurzschuljahre) nicht viel vom Ableben und vom Staatsakt für den ersten deutschen Bundeskanzler mitbekommen habe. Altersbedingt hätte es mich, so banal es auch klingen mag, vermutlich nicht übermäßig interessiert. Ob meine Eltern damals die Beisetzungsfeierlichkeiten im Fernsehen mitverfolgt haben, vermag ich nach über fünfzig Jahren nicht mehr mit Bestimmtheit zu sagen. Denkbar wäre es schon...
    Der 1967 bereits 91-jährige Altbundeskanzler war bis kurz vor seinem Tod immer noch politisch aktiv. Noch im Februar 1967 rief er auf seiner letzten Auslandsreise in Spanien zur Einigung Europas auf. Kurz darauf verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends, bis er am 19. April in Rhöndorf bei Bonn im Kreise seiner Angehörigen verschied.
    Beim nachfolgenden Staatsakt im Deutschen Bundestag und dem anschließenden Pontifikalrequiem im Kölner Dom waren neben Bundeskanzler Kiesinger und Bundespräsident Lübke auch zahlreiche westliche Spitzenpolitiker wie US- Präsident Lyndon B. Johnson, Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle und der britische Premier Harold Wilson anwesend, während Vertreter der Staaten des Warschauer Pakts weitgehend durch Abwesenheit glänzten.
    Daß die Vertreter der ehemaligen Westallierten des Zweiten Weltkriegs dem ersten Bundeskanzler die letzte Ehre erwiesen, lag in erster Linie an Adenauers Politik der konsequenten Westbindung. Während des "Kalten Kriegs" setzte der am 5. Januar 1876 in Köln geborene Adenauer auf ausschließliche Westintegration: "Wir stehen vor der Wahl zwischen Sklaverei und Freiheit. Wir wählen die Freiheit !".
    Innenpolitisch verfocht der Kanzler die sog. "Magnettheorie", um langfristig eine deutsche Wiedervereinigung zu ermöglichen. Eine politisch stabile und wirtschaftlich erfolgreiche Bundesrepublik Deutschland sollte wie ein Magnet auf die Bevölkerung der DDR wirken. Zu diesem Zweck strebte Adenauer nach 1949 zunächst einmal die Souveränität der Bundesrepublik und ihre gleichzeitige NATO- Einbindung an. Sein Plan schien aufzugehen, denn in den Pariser Verträgen von 1954 wurden die entsprechenden Regelungen vereinbart.
    Innenpolitische Stabilität erreichte der erste Bundeskanzler u.a. mit seiner "Schwammdrüber- Politik". Millionen ehemaliger Mitglieder der NSDAP wurden "Persilscheine" erstellt und konnten somit wieder in Wirtschaft, Politik und Verwaltung Funktionen ausüben. Adenauer äußerte sich zu dieser Problematik 1952 vor dem Deutschen Bundestag wie folgt: "Ich meine, wir sollten jetzt mit der Nazi- Riecherei Schluß machen. Denn verlassen sie sich darauf, wenn wir damit wieder anfangen, weiß man nicht, wo es aufhört".
    Dagegen begriff Adenauer linke politische Gruppierungen als Gefahr für die junge bundesdeutsche Demokratie und setzte auf juristischem Wege ein Verbot der damals moskauhörigen DKP durch. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, 1955 höchstselbst nach Moskau zu reisen und diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion aufzunehmen. Im Gegenzug erreichte er die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen.
    Die dadurch entstandene ungeheure Popularität verschaffte Adenauer während der Bundestagswahl 1957 die absolute Mehrheit seiner Partei. Ebenfalls 1957 wurden die Römischen Verträge unterzeichnet, die auf die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) hinausliefen.
    Als am 13. August 1961 nach massiven Bevölkerungsverlusten durch Abwanderung die DDR zunächst in Berlin mit dem Bau des sog. "Antifaschistischen Schutzwalles" begann, reagierte Adenauer eher verhalten. Erst neun Tage später besuchte er den Brennpunkt des Geschehens, was ihm von Teilen der Bevölkerung als politisches Versagen, ja als nationaler Verrat ausgelegt wurde. Entsprechend verlor die CDU bei der Bundestagswahl 1961 wieder ihre absolute Mehrheit.
    Zum letzten Mal wurde der nunmehr 85-jährige Adenauer zum Bundeskanzler ernannt, doch seine Tage waren gezählt. Im Oktober 1963 war, nicht zuletzt durch das "Drängen" vieler Parteifreunde, endgültig für ihn Schluß. An seine Stelle trat der "Vater des Wirtschaftswunders", Ludwig Erhard, den Adenauer allerdings für unfähig hielt und der hinter den Kulissen an den Weichenstellungen für eine "Große Koalition" unter einem fähigeren Kanzler herumbastelte. Vier Monate nach dem Rücktritt Ludwig Erhards im November 1966 starb Altkanzler Adenauer.
    Seine Beisetzung war im April 1967 ein weltweites Medienereignis mit TV- Liveübertragungen selbst in die USA und nach Japan. Geschätzte 400 Millionen Fernsehzuschauer wohnten damals diesem Ereignis bei:
    www.youtube.com/watch?v=o5Lrt45KMn0

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    Dienstag, 10. April 2018, 20:46

    Trauerstaatsakt und Staatsbegräbnis für Konrad Adenauer