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    Dienstag, 23. Januar 2018, 12:24

    Sternstunden des Spielfilms der 60er Jahre - Die Abenteuer des Werner Holt (DDR 1965)

    Neben dem in diesem Forum bereits besprochenen Werk "Ich war neunzehn" ist "Die Abenteuer des Werner Holt" der sowohl aufwendigste als auch bedeutendste Antikriegsfilm der 60er Jahre aus den Werkstätten der DEFA. M.E. reicht er in künstlerischer Hinsicht nicht ganz an die erstgenannte Produktion heran, ist jedoch durch die Thematik der gemachten Erfahrungen der "Erlebnisgeneration" eines Teils unserer Eltern bis zum heutigen Tage immer noch uneingeschränkt sehenswert.
    Die filmische Umsetzung beruhte auf dem 1960 und 1963 erschienenen, zweibändigen Roman "Werner Holt- Roman einer Jugend" und "Werner Holt- Roman einer Heimkehr" des DDR- Schriftstellers Dieter Noll, dessen Werk aufgrund seiner Bedeutung in den Lehrplan polytechnischer Oberschulen der DDR aufgenommen wurde.
    Unter der Regie von Joachim Kunert entstand daraus in den Jahren 1964/65 ein epischer Film von fast drei Stunden Laufzeit, der i.W. den ersten Romanteil mit einigen Modifikationen inszenierte.
    Produziert wurde der abendfüllende Spielfilm von der DEFA- Arbeitsgruppe "Roter Kreis", die Drehbücher stammten von Claus Küchenmeister und Joachim Kunert, für die musikalische Untermalung sorgte Gerhard Wohlgemuth. Im Februar 1965 kam die Produktion in Ost- Berlin zur Uraufführung und wurde ab September 1966 auch durchaus erfolgreich in bundesdeutschen Filmtheatern vorgeführt, nicht zuletzt, da sie sich mit ideologischen Versatzstücken sozialistischer Prägung weitgehend zurückhielt. Kritiker lobten vor allem die sehr realitätsnahe Darstellung der Szenerie der letzten Kriegsmonate.
    "Die Abenteuer des Werner Holt" beginnen in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1945 an der deutschen Ostfront. Während der junge Soldat Werner Holt (Klaus-Peter Thiele) in seinem Kommandostand verzweifelt versucht, eine Funkverbindung zu anderen Einheiten herzustellen, ziehen in seinen Gedanken die früheren Jahre seines Lebens vorüber: seine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus, seine Freundschaft mit Gilbert Wolzow (Manfred Karge), einem Offizierssohn und fanatischem Anhänger des Führers, seine ersten Romanzen und schließlich seine einschneidenden Erlebnisse im Krieg, als die beiden Freunde während ihres Arbeitsdienstes in der Slowakei bei der Niederschlagung eines Partisanenaufstandes zum Einsatz kommen und dabei hautnah die Grausamkeiten des Krieges miterleben.
    Als Holt nach zahlreichen Erlebnissen gegen Kriegsende mit seiner zusammengeschmolzenen Einheit in einem kleinen mitteldeutschen Ort liegt und letztlich nur noch sein Freund und Vorgesetzter Wolzow für den Endsieg kämpft, handelt Holt nach seinen in den letzten Kriegsjahren gewonnenen Einsichten. In einer dramatischen Aktion entwaffnet er Wolzow und schießt mit seinem MG auf SS- Verbände, die auf der Suche nach Deserteuren sind und Wolzow exekutiert haben. Desillusioniert, ernüchtert und erschöpft tritt Holt anschließend entweder den Weg in die russische Kriegsgefangenschaft oder nach Hause an.
    "Die Abenteuer des Werner Holt" erzählt von den bestürzenden und dramatischen Erfahrungen einer ganzen Generation, die durch ihre Kriegserlebnisse zwangsläufig zu teils verstörenden und ernüchternden Erkenntnissen gelangen mußte. Vor dem Hintergrund dieses Erlebnishorizonts ist der weitverbreitete Nihilismus großer Bevölkerungskreise in den ersten Nachkriegsjahrzehnten mehr als nachvollziehbar.
    Der Film ist insbesondere auch den jüngeren Generationen in unserem Land überaus zu empfehlen:
    www.youtube.com/watch?v=U9iW8z_zlkk :thumbup: :thumbup: .