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    Dienstag, 6. Dezember 2011, 10:43

    Das Equipment der Schüler in den 60er Jahren

    Wie es heute auch noch sein wird, bekamen wir am ersten Schultag unsere Schultüte gefüllt mit allerlei Naschwerk.

    Vor der Einschulung ging es in die Kirche , dann erfolgte eine kurze Begrüßung des Schulleiter und endlich wurden wir in Klasse 1a,1b, oder 1c eingeteilt.

    In der Regel bestand in diesen Jahren eine Klasse aus 30 wenn nicht noch mehr Schülern.

    Es waren auch schon viele verschiedene Nationen vertreten, Es gab einen Indischen Jungen, 2 Türkische Mädchen, einen Ungar, einen Rumänen

    ein jugoslawisches Geschwisterpaar, einen Jungen aus Venezuela, 2 Spanier und einen Griechen.


    Ich fand das sehr interessant und habe in den folgenden Jahren, auch jeden dieser ausländischen Schüler näher kennen gelernt.


    Später kam noch ein türkischer Junge aus dem hintersten Anatolien in die Klasse, der hatte anstatt Schuhe Fußlappen um die Füße.

    Doch diese Armut blieb ein Einzelfall. Die 2 türkischen Mädchen, auch Schwestern waren sehr westlich orientiert erzogen, der Vater arbeitete im Konsulat, sie hatten eine riesige 6 Zimmer Wohnung und zu Hause sprach man nur französisch. Mit den 2 Mädels ging ich zusammen in die Musikschule und als die beiden mich mal zu Hause besuchen wollten, kam erst die Großmutter (sie hatte wohl die Funktion einer Gouvernante) vorbei um die häusliche Situation bei uns einzusehen.

    Meine Mutter war perplex und hatte schwer ihren Kampf sich mit ihrem gelernten Schulfranzösisch zu verständigen. Bei uns Kindern ging das auch sehr lustig zu. Wir sprachen deutsch, wenn die beiden die Worte in Deutsch nicht wussten, also in französisch (als Kind lernt man ja auch schnell von den anderen ein paar Worte der Fremdsprache). Der erwähnte Inder war schon bei mir im Kindergarten und ergänzte herrlich dieses Quartett. Durch ihn, er war 2 Jahre in meiner Kindergartengruppe gewesen, konnte ich ein wenig Englisch.

    Mit diesem Sprachgemisch trieben wir viele fast in den Wahnsinn.

    Der Vater des indischen Jungen war Arzt und die Mutter Übersetzerin und immer mit Sari und edlen Tüchern bekleidet.

    Um es kurz zu machen, bei jedem dieser ausländischen Schüler fand man hinter der Wohnungstur eine unbekannte exotische Welt vor.
    Diese Düfte von Räucherstäbchen vom Hausaltar oder der Geruch der mir unbekannten, hier verwandten Gewürze. Oder die Anordnung der Möbel, war völlig anders als bei uns. Zum Beispiel stand in einer dieser Wohnungen, das Bett in der Mitte des Raumes, das war aber rundherum mit einem Vorhang zugezogen. Oder die niedrigen Sitzkissen auf übereinander gelegten Teppichen. Ein Samowar auf einem geschnitzten Tischchen und an der Decke ein Baldachin.
    In dieser Zeit füllte ich mich wie Kara Ben Nemsi auf einer Reise durch den Orient.
    Das einzige fernöstliche bei uns zu Hause, war ein so genannter Kamelsattel, ein Hocker der vor der Musiktruhe stand, auf dem ich meine frühste Kindheit verbrachte und die vorhandenen Schellackplatten hörte. Da gab es eine Platte, auf der spielt ein Trompeter völlig schräge Töne und eine Frau lachte gellend dazu???? Oder so hinreisende Kompositionen mit dem Titel " Fritzchen freue dich morgen gibts Selleriesalat ??? oder In Peru sind alle Mädchen gefährlich??? Ich war deshalb noch nie in Peru. Sorry, jetzt schweife ich aber schon wieder zu weit vom Thema ab.

    Also Deutsch sprachen am Anfang die wenigsten und das war schon eine Herausforderung für unsere Klassenlehrerin.

    Mit Tafel und Griffel (gestellt von der Schule) wurde bei uns nur in den ersten paar Tagen gearbeitet. Die ihren Namen schreiben konnten, beschrifteten die Tafel und stellten sie so auf das die Lehrerin so die einzelnen Namen vor Augen hatte. Dem Rest wurde von ihr, bei der Beschriftung geholfen.


    Was ich ganz vergaß zu erwähnen. Schülern wie ich, die erst nach der Einschulung 6 Jahre alt wurden, musste einen Test ablegen. Wir sollten bei einen Zug mit Personenwagen die Fenster reinzeichnen und auf einem Steckrahmen Tiere positionieren. Also Vögel habe ich in die Bäume gesetzt und die Rehe und Hasen auf dem Boden belassen. Es sind wahrhaftig einige durch gefallen, deren Eltern wurde gesagt, sie sollten die Kinder ruhig noch ein Jahr in die Vorschule schicken.


    Besonders stolz war ich auf meinen tollen braunen Ranzen und mein Federhäppchen, das ich von meinen Paten bekommen hatte. Ich habe heute noch den Ledergeruch in der Nase. Auch die erste kurze Lederhose bekam ich an diesen Ostern. (Auch den Ledergeruch vergisst man nicht)



    Zurück zum Unterricht. Das ABC wurde bei uns auf einer Wandkarte ausgestellt, aber begonnen haben wir gleich mit ganzen Worten. Vogel, Ball, Ofen usw.


    Geschrieben wurde jetzt mit Bleistift. Ab der 2. Klasse hatte jeder ein Schönschreibheft und mit Tusche und Feder wurden jetzt Buchstaben geübt.

    Das war am Anfang eine Sauerei, die Tusche war mehr an den Händen und nach dem, mit der Hand übers Gesicht wischen, auch dort.


    Auch die Hefte trieften bei einigen vor Tusche.


    Dann kam der Füller. Hier gab es 2 Marken Pelikan oder Geha.

    Da wir in Erdkunde die Erdteile verschiedenfarbig zeichnen sollten, kam der neu auf dem Markt erschienene 4 Farbstift gerade recht. ( War auch ein ersehnter Wunsch von mir, so einen Stift mein eigen zu nennen).

    Auch einen Taschenkalender mit Drehbleistift, der Notizbuch, Verkehrszeichen, die Schulferien-Termine,Postgebühren, Ausländische Auto-Kennzeichen beinhaltete war ein großer Wunsch.

    Eine eigene Brieftasche (ein Werbegeschenk) für den Kinder- und Schülerausweis hatte ich schon.

    Auch bei den Turnschuhen, die ab der 4. Klasse Pflicht waren, gab es von den Firmen Addidas oder Puma

    Hier zum Sport hatte man jetzt keinen selbstgenähten Turnbeutel mehr, sondern einen karierten Kulturbeutel, den man lässig über der Schulter trug.

    Muß ich noch erwähnen. Sonntags trug der Junge von Welt eine Clubjacke ( ein Sakko auf dessen Brusttasche sich ein Emblem eines Sportvereins befand)
    Mein Vater wollte mich auch mal in einen Kajak-Verein stecken, war aber nicht so mein Ding.

    Darüber im Winter einen Kamelhaarmantel. (Das war nicht mein Geschmack, sondern so wurde ich von meinen Eltern ausstaffiert). So hatten die Kinder im hintersten Bayern, bei Verwandtenbesuchen unsererseits, wenigstens was zu lachen.

    Leuchtente Frotteesocken und Strickhemden, unter denen man einen Rolli trug war bei uns in Mode.


    Übrigens bin ich Linkshänder und wurde damals noch zum rechtsschreiben genötigt.


    Jetzt habe ich völlig den Faden verloren??


    Demnächst mehr.

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    Mittwoch, 4. Januar 2012, 10:50

    An Mitschüler ausländischer Herkunft kann ich mich auch entsinnen. Meist stammten diese aus Italien, Spanien,
    Jugoslawien, Griechenland und der Türkei, also den typischen "Gastarbeiterländern"Die Deutschkenntnisse waren
    teilweise sehr unterschiedlich und reichten von aktzentfrei mit Dialekteinschlag bis zu sehr gering.Eine weitere
    Gruppe waren die "Neger" ,von denen es auch immer ein paar gab. Das waren die Kinder deutscher Mütter und
    farbiger amerikanischer Soldaten.Bei vielen dieser ehemaligen Mitschüler erkennt man deren Herkunft heute nur
    noch an den Namen.

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    Mittwoch, 4. Januar 2012, 11:44

    Ich kann mich aus meiner Grundschulzeit auch noch an ein paar dieser "Gastarbeiterkinder" erinnern. Die meisten sprachen auch nur ein paar Worte Deutsch. Meistens wurden sie in Klassen mit Schülern hineingesteckt, die viel Jünger waren als sie. An eine Spanierin kann ich mich noch erinnern, die war erst in der fünften Klasse gewesen, als sie vierzehn war und somit alt genug, um arbeiten zu gehen. Da sie mittlerweile auch halbwegs Deutsch sprach, arbeitete sie dann in der Bäckerei als Verkäuferin.

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    Mittwoch, 4. Januar 2012, 19:38

    Herkunftsstruktur unserer Mitschüler

    In der Grundschulzeit von 1963 bis 1966 hatten wir keinen einzigen ausländischen Mitschüler in unserer Klasse. Dies lag wohl zum einen an der damaligen Wirtschaftsstruktur unserer Kleinstadt als auch an dem Ortsteil, in dem wir wohnten. Dagegen dürfte ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Schüler aus Vertriebenenfamilien gestammt haben, so auch ich (zumindest väterlicherseits). Die Frage der Herkunft war in dieser Zeit weder unter uns Kindern noch zwischen Erwachsenen und Kindern ein Thema. Mich hat es naturgemäß als Kind nicht interessiert, und ich wurde auch nie darauf angesprochen.
    Während meiner Realschulzeit 1967 bis 1973 hatten wir zwei Gastarbeiterkinder in der Klasse, jeweils aus Griechenland und Jugoslawien. Sprachdefizite gab´s bei beiden keine, und somit waren auch die Anforderungen identisch. Soweit ich mich erinnere, haben beide letztendlich auch die Mittlere Reife gepackt.
    In der darauffolgenden Gymnasialzeit kann ich mich an keinen einzigen ausländischen Mitschüler erinnern, allerdings wurde es durch das Kurssystem der reformierten Oberstufe auch unübersichtlicher.

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    Freitag, 31. Mai 2013, 15:03

    In der 4. Klasse kam ein Zwillingspaar aus Italien, die beide kein Deutsch konnten und offenbar auch nicht wirklich eine richtige Schule besucht hatten. Sie waren für meine Begriffe uralt, nämlich 11 Jahre alt. Dem Mädchen schenkte ich einen alten Schulranzen, weil sie immer mit einer Plastiktüte in die Schule kamen. Die kleine liebte den alten roten Lederschulranzen. Sie rochen nach Olivenöl, ich guckte in deren Küche, als ich bei ihr zum spielen war, alles war fremd und unheimlich. Die kleine war strebsam und konnte bald in der 2. Klasse normal mitlernen und weil sie so klein war, fiel sie nicht auf. Der Bruder wollte sich Freunde verschaffen, indem er im Unterricht auffiel, er machte sich in die Hose, er wurde verlacht. Ihn hat man aufgegeben, er blieb in unserer Klasse und kam anschließend auf die Sonderschule.

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    Donnerstag, 22. Oktober 2015, 08:27

    Schreibwaren

    was mir gerade noch so einfällt, sind "Vierfarben-Kugelschreiber". Sie waren silber, und hatten an der Seite kleine Knöpfchen, die dann (hoffentlich !) einrasteten ....
    Allerdings waren das keine "guten Schneider-Minen", sondern kurze Minen, und die blaue war relativ schnell alle.
    8) The Smoker You Drink, The Player You Get 8)

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    Donnerstag, 22. Oktober 2015, 17:08

    Yap, ich kann mich erinnern, daß ich ein derartiges "Gerät" in den 60er/ 70er Jahren auch mal besaß.
    M.E. haben sich diese Multifunktionskulis nicht lange halten können. Bei meinem Gerät löste sich die Oberflächenvergoldung durch Abrieb schon nach kurzer Zeit, und es gab technische Probleme beim Einrasten der einzelnen Minen. Auch waren die Minen nicht sehr langlebig, wie Du ja schon erwähnt hast.
    Nach meiner Erinnerung waren diese Spezialkulis eine Zeit lang beliebte Werbegeschenke.

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    Freitag, 17. November 2017, 16:28

    Also wir hatten alle ein "Mäppchen" mit Buntstiften, Bleistift, Spitzer und Radiergummi, sowie DINA 5 Hefte. Ein Füller (Ich war vom Stamme der Geha) gab es erst später (und wohlgemerkt KEINEN Tintenkiller!) . Der obligatorische Lederranzen , der irgendwie nie gut eingestellt war, durfte nicht fehlen. Die angrenzende Bäckerei verkaufte durch eine Öffnung in der Steinmauer Brötchen & Milch, bzw. Kakao da hat selbst ein Mohnbrötchen ohne alles lecker geschmeckt.

    Ausländische Mitschüler gab es an der ganzen Schule nicht. Eine gezielte Förderung auch nicht. Ein mit mir eingeschulter Junge, der bei seiner aus Russland stammenden Oma wohnte, und die kaum Deutsch sprach, wurde ratzfatz auf eine Sonderschule verbannt. Ein Mädchen, das regelmäßig an epileptischen Anfällen litt, wurde ebenfalls in diese Sonderschule geschickt.

    Ich werde nie den Geruch des Geräteraums mit den Medizinbällen vergessen, die geölten Holzböden, die "Bolleröfen", die vom Hausmeister mit Kohle beheizt wurden.



    In der 3ten Klasse zogen wir dann in die neue Schule um, ein Standardbauwerk, wie es überall in der damaligen Zeit errichtet wurde. Die Versorgung mit Backwaren etc. wurde ab da vom Hausmeister übernommen, und hat nicht halb so gut geschmeckt wie vormals :D

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    Freitag, 17. November 2017, 19:00

    Stammesbrüder

    Yap, da sind wir Stammesbrüder. Auch ich hatte ausschließlich Geha- Füller mit silberner Metallkappe und grünem Kunststoffkorpus. Die habe ich damals "gefahren" bis zum Zahnfleisch, d.h. die Breite der Schrift wurde durch die sukzessive Abnutzung der Stahlfeder mit den Jahren immer größer, und auch die Kappenversilberung rieb sich mit den Jahren ab, darunter erschien dann das blanke Messing.
    Den damals üblichen kleinen Lederranzen besaß ich in meiner Grundschulzeit zwischen 1963 und 1966 (mit zwei Kurzschuljahren) auch, dieser wurde jedoch sofort mit dem Übergang zur weiterführenden Schule (eine "Realschule für Jungen" mit damals recht hohen Leistungsstandards) durch eine standesgemäße Aktentasche aus Leder ersetzt, die dann auch bis zur zehnten Klasse hielt.
    In letztgenannter Schule gab es nach meiner Erinnerung nur die Ausgabe von Pausenmilch und Kakao in Glasflaschen mit Aludeckeln; Brötchen und Snacks, wie heute in den meisten Schulen üblich, wurden dort nicht angeboten. Auch die Milch wurde m.E. nicht frei verkauft, sondern mußte abonniert werden.
    Die damalige Ausländerquote wurde oben bereits von mir benannt. Die von mir zwischen 1967 und 1973 besuchte "Realschule für Jungen" führte 1974 den koedukativen Unterricht ein, damit wurden auch Mädchen zugelassen. Seit 2016 wurde diese Einrichtung durch die NRW- spezifische Zusammenlegung von Haupt- und Realschule zur "Sekundarschule", in der bis zur 9. Klasse kein "Sitzenbleiben" mehr möglich ist. Das Schulmotto lautet dementsprechend: "Wir nehmen jeden mit !" Und die Quote von Kindern mit Migrationshintergrund liegt dort aktuell bei 70 bis 75 %. Darauf kann sich dann jeder seinen eigenen Reim machen. Times, they are a changing ! :|