POP

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Unsere musikalische Evolution begann mit Volksmusik, mit deutschen Schlagern. Musik, die wir von unseren Eltern "vorgesetzt" bekamen und die wir als Kinder fröhlich mitträllerten, da der Text meist gut zu verstehen war. Etwa Mitte der 60er, zu Beginn unserer Schulzeit, begannen wir uns von der Musik unserer Eltern "abzunabeln" und wir orientierten uns mehr und mehr an der Musik älterer Geschwister, Mitschüler oder Freunde. Das waren Anfangs häufig noch Hits aus der Rock´n´Roll Zeit oder dem Twist, wie etwa Motorbiene von Benny Quick. Viele junge deutsche Sängerinnen und Sänger wie Conny Froboess, Peter Kraus oder Ted Herold sangen Cover-Versionen amerikanischer oder englischer Stars. Spielten die jungen Musiker häufig moderne angloamerikanische Rhythmen, die Texte blieben meist noch deutsch. Und so rockten, twisteten und skiffelten junge Leute wie etwa Manuela mit den sechs Dops oder Drafi Deutscher and his Magics bis spät in die Nacht. Twist war nicht nur der Modetanz zu Beginn der 60er, er ist ein Stück 60er-Jahre Geschichte, weshalb ihm auch ein eigener Abschnitt in der Rubrik Zeitgeschichte gewidmet ist ( Twist).

Nach Rock&Roll und Twist kam der Beat. Dieser Begriff tauchte mit dem Bekanntwerden und dem Aufstieg angloamerikanischer Beatgruppen wie den Beatles, den Animals, den Beach Boys, den Kinks und vielen anderen in den frühen 60er-Jahren auf. Von Schallplatten oder aus dem Radio bekamen auch wir hin und wieder etwas von dieser neuen, modernen, "duften" Musik zu hören, und - sie gefiel uns.

Allerdings waren Kinder und Jugendliche in den frühen 60ern noch keine große Käuferschicht. Und so tat sich diese neue, moderne Musik noch schwer. Geld war (von einigen Gruppen mit großen internationalen Erfolgen einmal abgesehen) damit nur selten zu verdienen. Die große Käuferschicht, die Erwachsenen interessierten sich nicht für diese Musik und kauften lieber Volksmusik oder Schlagerplatten. Roy Black etwa, ein bekannter Schlagersänger der 60er und 70er Jahre, begann seine Musikerkarriere in einer Beatband. Als "Roy Black and his Cannons" traten sie in Tanzclubs und US-Kasernen auf. Doch richtig Geld verdiente er erst, als er zum Schlager wechselte. Seine Schlager sind heute noch bekannt, seine Beatmusik kennt kaum noch einer. Deshalb, ganz ungewohnt, Roy Black nicht auf der Schlagerseite, sondern hier unter POP, mit dem Elvis-Coversong "Ich suche dich" (Kennen Sie noch den Elvis Titel?). Bezeichnenderweise schaffte es dieser Titel nur auf die wenig beachtete B-Seite seiner Single. Die A-Seite der Single enthielt die Schlagerschnulze "Ganz in weiß", die über 2 Millionen mal verkauft wurde und im März 1966 auf die Nr. 1 der deutschen Hitparade stürmte. Doch die Beatmusik war nicht mehr aufzuhalten. Immer größer wurde ihr Anteil im Radio, im Fernsehen und bei den Plattenverkäufen und damit belegten sie auch in den Hitparaden vermehrt höhere Plazierungen.

Der Beat wiederum spaltete sich auf in Pop und Rock. Popmusik hatte jedoch nichts mit populärer- oder auch Volksmusik zu tun. Popmusik war für uns Mainstreammusik, Songs aus den Hitparaden, in denen sich jetzt vermehrt englischsprachige Songs plazierten. In den Vordergrund rückte jetzt die Musik, der Rhythmus, der Text war nicht mehr so wichtig und es störte uns auch nicht, dass wir von den meisten englischen Songs kaum etwas verstanden. Es gab allerdings auch Ausnahmen wie "My Baby, Baby, balla, balla" von den Rainbows, aber die meisten Texte waren dann doch etwas umfangreicher, wenn auch nicht unbedingt gehaltvoller. Pop war eine Musik für die Beine, nicht für den Kopf. Es war die Musik, zu der man in den Diskotheken tanzte. Popmusik war die Musik zwischen dem deutschen Schlager und unserem nächsten musikalisch-evolutionären Entwicklungsschritt, der Rockmusik (die wir zu dieser Zeit noch nicht kannten).

Zu den Popgruppen der 60er gehörten etwa die Bee Gees, die Beach Boys, die Hollies, die Archies, die Mamas and Papas, Herd, Hermans Hermits, die Monkees, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich, Manfred Mann, das Sir Douglas Quintett oder die Les Humphries Singers und noch viele mehr. Auch viele deutsche Bands, wie die Lords oder die bei uns in Hessen sehr bekannte und beliebte Band The Petards gehörten dazu. Spätere POP-Bands waren dann z.B. The Sweet, Slade, Suzie Quatro oder noch später Abba.

Ende der 60er Anfang der 70er verlagerte sich dann unser Musikgeschmack immer mehr Richtung "härterer" Musik und Bands wie Cream, The Jimi Hendrix Experience, Deep Purple, Led Zeppelin, Uriah Heep, Pink Floyd, Yes, Emerson, Lake & Palmer oder Black Sabbath zählten zu unseren Favoriten. Damit waren wir bei der Rockmusik angekommen.



Musiksendungen der 60er im Fernsehen sind unter "Fernsehen: Musiksendungen" zu finden.


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Abbildung:
1: Singles aus den 60ern
2: Twist-, Beat- und POP-LPs aus den 60ern


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