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    Freitag, 1. Juni 2018, 22:48

    Jimmy das Gummipferd / Julios abenteuerliche Reisen

    Die phantastischen Abenteuer um den dicken Gaucho Julio und sein aufblasbares Gummipferd kannte ich in den 60er Jahren recht gut durch gelegentliche Besuche bei meinen Großeltern. Diese verfügten über umfangreiche Bestände der Illustrierten "Stern", die sie regelmäßig von ihrer Nachbarin erhielten. Während die Erwachsenen palaverten, vergrub ich mich in die Konvolute und suchte eifrig nach den darin enthaltenen Kinderseiten.
    Erinnern kann ich mich noch daran, daß ich die im "Sternchen" enthaltenen Jimmy - Comicstrips damals recht interessant, aber auch einigermaßen "abgefahren" fand, was mich mehr als einmal leicht befremdete :huh: .
    Wie entstand nun "Jimmy, das Gummipferd" ? Zwischen 1953 und 1977 enthielt die Illustrierte "Stern" eine Kinderbeilage, die sich "Das Sternchen" nannte. In den ersten Jahren handelte es sich um ein lose beiliegendes Magazin mit Spiel- und Bastelanleitungen, Rätseln, spannenden Geschichten und einer Comic- Umsetzung. Diese wurde in s/w zuzüglich der Schmuckfarbe Rot gedruckt und erhielt so ihr unverwechselbares Äußeres.
    Autor der phantastischen Bildergeschichten um den Gaucho Julio und sein Pferd Jimmy war Roland Kohlsaat. Die Comics waren um 1960 bei einer Spitzenauflage des "Stern" von rund 1,5 Millionen Exemplaren nicht nur bei vielen Kindern sehr beliebt, sondern wurden auch von so manchem Erwachsenen gern gelesen.
    Nachdem die Abenteuer von Julio und Jimmy bis 1961 ganzseitig erzählt wurden, beging Gruner & Jahr im gleichen Jahr den "Sündenfall" und reduzierte "Das Sternchen" aus Kostengründen auf zwei Seiten, die nun fest in die Zeitschrift eingebunden waren. Auch der Jimmy- Comic wurde deutlich auf nur noch sechs Panels reduziert, die in s/w ohne den bisherigen "Rotstich" gedruckt wurden.
    Anfang der 70er Jahre wurde die Reihe in "Julios abenteuerliche Reisen" umbenannt. Trotz dieser deutlichen Einschränkungen behielt die Reihe ihr Qualitätsniveau und steigerte es sogar noch. Bis zu seinem Tod im Februar 1978 zeichnete Roland Kohlsaat jede Woche eine neue Folge.
    In den frühen Jahren ab 1953 waren die Abenteuer von Julio und Jimmy noch recht naiv angelegt, wurden aber in der Folgezeit immer trickreicher und versponnener. Kohlsaat erdachte sich immer seltsamere, ja teilweise surreale Reisen für seine beiden neugierigen Helden. Wenn Julio und Jimmy auf zierliche Meerjungfrauen, Zentauren, Maulwurfsmenschen, skurrile Roboter und Riesenfrösche trafen, war das mittlerweile der Normalzustand, den Kohlsaat allwöchentlich auf das Papier brachte.
    Für eine Comic- Serie, die in erster Linie Kinder ansprechen sollte, waren seine Arbeiten für die Zeit insbesondere der 60er Jahre äußerst ungewöhnlich und teilweise auch recht starker Tobak. Unterschwellig läßt Kohlsaat seine Helden immer wieder Erfahrungen mit Gewalt und Tod, Drogen und Spiritualität, Leidenschaft und Sexualität machen. Nicht von ungefähr sehen Comic- Nostalgiker "Jimmy das Gummipferd" bei hervorragender zeichnerischer Qualität als eine phantastische Mixtur aus klassischen Abenteuergeschichten mit einem gehörigen Schuß "Barbarella". Kohlsaat selbst bezeichnete sein Werk einmal als "Pop- Odyssee". Ich selbst könnte mir dagegen vorstellen, daß der Urheber auch extreme Weltkriegserfahrungen in seiner langjährigen Comic- Reihe zumindest mitverarbeitet hat.
    Bereits 1954 erschien im Blüchert- Verlag eine entsprechende Buchedition, die antiquarisch in guter Erhaltung heute zu hohen Preisen gehandelt wird.
    Zwischen 1979 und 1981 wurden in der Edition Becker und Knigge bisher die Jahrgänge 1956, 1957 und 1958 unter dem Titel "Julios abenteuerliche Reisen" als entsprechende Editionen herausgegeben. Leider wurden die Jahrgangsbände vermutlich aus Rentabilitätsgründen dann nicht weiter fortgeführt, so daß Interessenten für die Jahre ab 1959 auf Stern- Originalhefte zurückgreifen müßten.
    2003 erschien ein umfangreiches Werk im Lappan- Verlag, das eine Ausstellung des Wilhelm Busch- Museum in Hannover begleitete.
    "Jimmy das Gummipferd" ist einer der im positiven Sinne ausgefallensten Comics deutscher Provenienz der Nachkriegsjahre, dem man eine Gesamtwürdigung in Form einer Komplettausgabe nur nachdrücklichst wünschen kann :thumbup: .