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    Samstag, 9. Juli 2011, 18:26

    Sitten, Bräuche, Gewohnheiten

    In der Alltags-Frage Nr. 4 ging es um Knickse und Diener (da war ich auch noch Leidtragender). Es gab damals aber auch noch andere Sitten, Bräuche und Gewohnheiten die sich bis heute stark gewandelt haben oder auch ganz verschwunden sind.

    Ein Thema, das mir dabei einfällt, ist die Kopfbedeckung. Männer trugen damals sehr häufig Hüte (nicht zu verwechseln mit Kappen oder Mützen). Bei Begegnungen auf der Straße, sei's mit einer Dame oder einem anderen Herrn, wurden die Hüte gelupft (kurz angehoben). In Gebäuden (Behörden, Kirchen, Gasthäuser usw.) mussten die Männer die Hüte abnehmen (die Damen durften sie aufbehalten). Auch wir Jungs wurden damals schon mit Hüten beglückt (für Sonntagsspaziergänge, Verwandtenbesuche, Kirchgänge etc.). Es gab sogar im Fernsehen noch Werbung für Hüte und in unserer kleinen Stadt gab es noch ein Hutgeschäft.

    Frauen trugen damals noch häufig Kopftücher (nicht aus religiösen Gründen). Während Hüte eher was für festliche Anlässe waren, gehörten Kopftücher zu den Alltagskopfbedeckungen, von Frauen und auch Mädchen. Meistens aus Gewohnheit, manchmal aber auch um die Frisur vor Wind und Wetter zu schützen.

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    Samstag, 9. Juli 2011, 19:53

    Ja, das stimmt, meine Mutter und meine Oma trugen noch Hüte, beim Kirchgang und auch zu bestimmten Anlässen. Mein Vater nur in Verbindung mit seiner Uniform, er war im Schützenverein. Da gehörte der entsprechende Hut natürlich dazu. Kopftücher sind ja mittlerweile richtig verpönt bei deutschen Frauen, aber ich erinnere mich noch gut, dass sie ursprünglich gang und gäbe waren. Meine Oma trug öfters bei der Gartenarbeit eins, und auch wenn sie samstags zur Arbeit ging. Oma kriegte zwar eine gute Kriegerwitwenrente und das Kostgeld für mich, weil sie mich unter der Woche betreut hat, aber samstags arbeitete sie als Marktfrau an einem Obst- und Gemüsestand. Die meisten Marktfrauen trugen Kopftücher, und auch die Frauen auf dem Land, wie beispielsweise meine verschiedenen Tanten und Großtanten in der Eifel, besonders bei der Feld- und Stallarbeit, sie hatten kleinere Landwirtschaften.

    Und zur Alltagskleidung von kleineren Mädchen gehörten früher auch Schürzen. Ich kann mich daran noch sehr gut erinnern, dass ich sowohl zu Hause als auch im Kindergarten jeden Tag eine Schürze an hatte, wenn ich ein Kleid getragen hatte. Später, als ich in die Schule kam, nicht mehr. Entweder waren da Schürzen schon aus der Mode, oder man zog sie wirklich eher den kleineren Mädchen an. Frauen trugen Schürzen nur bei der Hausarbeit. Sie waren damals wesentlich üblicher als Kittel.

    Überhaupt zogen Frauen und Mädchen damals, wenn sie Kleider trugen, auch noch ein Kleidungsstück drunter an, was heutzutage den meisten kaum noch dem Namen nach bekannt ist: Einen Unterrock.

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    Samstag, 9. Juli 2011, 22:26

    Bis etwa zum Ende meiner Grundschulzeit trug ich bis auf die Wintermonate fast ausschließlich Kleider. Schürzen hatte ich auch noch welche. Es gab auch Kleider, da waren schon dazu passende Schürzen dabei. Die meisten Kleider waren "Second Hand", so auch ein Petticoat Kleid von meiner älteren Schwester. Nett, aber irgendwie schon aus der Mode. Ende der 60er, Anfang der 70er setzten sich dann Miniröcke und Jeans so laaangsam durch, dann war auch endlich Schluss mit der Knickserei und den Schürzen.

    Bei Schürzen denke ich aber eher an die Frauen, genauer die Hausfrauen von damals. Meine Mutter und auch die anderen Frauen in unserem Mietshaus habe ich eigentlich fast ausschließlich in Schürzen, genauer gesagt in Kittelschürzen in Erinnerung. Farben und Muster waren zwar unterschiedlich, meine Oma trug immer dunkle, meine Mutter hellere, manche auch einfarbig weiße, sonst waren sie aber alle gleich, Knopfleiste vorn, Arme frei. Praktisch, pflegeleicht, gut und immer irgendwelche Putzsachen in den Taschen. Im Sommer auch schon mal als Kleidersatz, direkt über dem Unterrock. Und mal schnell zum Einkaufen, auch das in der Kittelschürze. Ich glaube Kittelschürzen waren für unsere Mütter so selbstverständlich wie für uns die Jeans.

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    Samstag, 9. Juli 2011, 23:34

    An ein Kleidungsstück, was ältere Frauen, besonders beim Kirchgang trugen, erinnere ich mich noch. Das waren Iltis-Stolen aus ganzen Tieren, da waren die Köpfe, Schwänze und Pfoten noch dran. So ein Teil trug meine Oma noch vom Herbst bis ins Frühjahr.

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    Samstag, 16. Juli 2011, 16:01

    Ein sehr gebräuchliches Kleidungsutensil für Jungs waren zu dieser Zeit die Hosenträger. Wir bekamen Kleidung häufig noch gebraucht von größeren Jungs. Zu eng ging nicht. Zu groß, zu weit? kein Problem (da wächst der noch hinein). Die Hosenbeine wurden etwas eingenäht und für den Halt sorgten Hosenträger. Ob kurze oder lange Hosen, Jungs oder Männer, Hosenträger waren noch weit verbreitet.
    Es gibt zwar auch heute noch Hosenträger aber seit meiner Jugendzeit habe ich keine Hosenträger mehr benutzt und kenne in meinem Bekanntenkreis auch niemanden der sie noch benutzt.

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    Mittwoch, 27. Juli 2011, 12:04

    Esstraditionen

    Bestimmte Traditionen gab es auch beim Essen. Wir waren ein katholischer Haushalt, also wurde bei uns freitags kein Fleisch gegessen, sondern Fisch oder ein Eiergericht wie Omelett oder Spinat mit Spiegeleiern, wobei der Spinat noch frisch gekocht und durch den Wolf gedreht wurde. Oder Reibekuchen, die natürlich auch selbstgemacht waren. Samstags wurde im Allgemeinen Eintopf gegessen: Erbsensuppe, Linsensuppe, grüne Bohnensuppe, Gemüsesuppe, Graupensuppe. Sonntags gab es Braten, und montags davon die Reste, oder auch andere Fleischgerichte, wie Gulasch oder Rouladen. Samstagsabends wurde das Fleisch schon angebraten, und sonntags kam das Ganze dann bei kleiner Flamme in den Backofen, damit es weiterschmurgeln konnte, während wir in der Kirche waren. Die Kartoffeln waren vor dem Kirchgang auch schon vorgeschält und das Gemüse vorbereitet, so dass alles, wenn wir aus der Kirche kamen, schnell auf den Herd konnte. Damals wurden Konserven noch nicht im gleichen Maße benutzt wie heutzutage, und so praktische Dinge wie Fixprodukte oder Soßenbinder, wie sie heute in fast jedem Haushalt benutzt werden, waren noch nicht erfunden, abgesehen von Trockensuppen, die gab es damals schon. Unter der Woche gab es dann einfachere Gerichte, wie Bratwurst, Frikadellen oder Koteletts. Oder es gab ein süßes Hauptgericht wie Pfannkuchen oder Milchreis, der natürlich auch selbstgekocht war. Solange meine Mutter noch berufstätig war, aß sie mittags auf der Arbeit in der Kantine warm, mein Vater nahm sich Brote mit zur Arbeit und bekam dann abends sein warmes Essen. Manchmal nahm er aber auch einen Henkelmann mit Essen mit zur Arbeit.

    Samstagsnachmittags wurde sehr oft für sonntags auch ein Kuchen gebacken. Den gab es dann am Sonntag zum Nachmittagskaffee. Überhaupt war es damals noch üblich, dass es am Nachmittag noch eine Kaffeemahlzeit gab, in der Woche gab es dazu Brot oder Blatz, und sonntags eben Kuchen.

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    Montag, 1. August 2011, 14:13

    An viele der beschriebenen Sachen kann ich mich auch noch erinnern. Gerade Alltagskleidung musste vor allem robust und zweckmäßig sein, während andere Kleidung auch den sozialen
    Status ausdrücken sollte. So trug z.B. auch meine Mutter zu
    Hause die erwähnten Schürzen und ihre Klapperlatschen, wobei
    sie sich zum Weggehen regelmäßig etwas "anständiges" anzog.
    Wenn Leute besucht wurden, wurde nach Anlass des Besuches
    unterschieden. Wenn es sich um "wichtige" Anlässe handelte
    z.B. Familienfeiern, Weihnachten oder Geburtstage wurden
    schon Kleid und Anzug (aber nicht der dunkle !) hervorgeholt.
    Wenn irgendetwas arbeitsmäßiges anstand war die ent-
    sprechende Kleidung akzeptabel.
    Gleiches galt für das Essen. Gerade an Feiertagen oder zu be-
    sonderen Anlässen musste es auch etwas Besonderes sein, wobei
    man dort oft beim Bewährten blieb. Jedoch wurde gerade
    in den 60ern der Speiseplan auch durch Urlaubsreisen und
    aufkommende ausländische Lebensmittel bzw. Restaurants
    bereichert. Ich erinnere mich noch, wie die Zahl der Pizzerias
    plötzlich stark zunahm und neben dem deutschen Filterkaffee
    auch Espresso serviert wurde. Es dauerte aber eine ganze Weile
    bis sich diese Dinge etabliert hatten. Auch im Lebensmittelhandel vergrößerte sich durch die EU (damals EWG)
    das Angebot z.B. gab es nun viele Weine,Käse und Spirituosen
    aus Frankreich. Ein Nachbar arbeitete bei einem Importeur und
    schenkte uns Ende der 60er ein ganzes Sortiment mit Werbeartikeln von Pernod, (u.a. Sonnenschirm Aschenbecher, Gläser,Karaffen) der damals gerade in Deutschland
    eingeführt wurde.

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    Montag, 1. August 2011, 17:40

    Essen hatte in den 60ern noch einen wesentlich höheren Stellenwert als heute, hatten doch viele noch die Mangeljahre der Kriegs- und Nachkriegszeit in Erinnerung. Das Zubereiten der Mahlzeiten nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch als heutzutage, wurde doch fast alles noch selbstgemacht. Tiefkühl- und Fertigkost waren damals bei uns noch unbekannt. Unter der Woche gab es meist einfache Gerichte. Montags gab es die Reste vom Sonntagsbraten, manchmal einfach nur Kloß mit Soß. An den anderen Tagen gabe es Reibekuchen, Pfannkuchen, Kartoffel mit Rührei (um den Spinat konnte ich mich erfolgreich drücken) oder Eintopf, allerdings selbst gekocht und nicht aufgewärmte Konservendosen wie heute. Dazu gab es häufig eingemachtes Obst, wie Apfelmus, Birnen, Kirschen, Mirabellen oder Pflaumen. Auch an die Nachmittagsmahlzeit kann ich mich noch gut erinnern (falls ich nachmittags mal zuhause war). Es gab dann Butterbrote, manchmal mit Zucker und frische Milch mit Kaba. Ende der 60er gab es dann auch schon mal Nutella-Brote oder Brötchen. Der "Pausensnack" für die Schule bestand auch noch aus Butter-, Schmalz- oder Wurstbroten. Getränkeautomaten mit Limo oder Cola gab es in den Schulen nicht, dafür noch die Schulmilch oder den Schulkakao.
    An Sonn- und Feiertagen gab es dann immer ein besonderes Gericht. Braten, Rouladen, Schnitzel oder Geflügel. Auswärts essen war die große Ausnahme. Meist im Urlaub oder bei Familienfeiern. Natürlich in einem deutschen Gasthaus. Es gab da auch noch einfache Gerichte wie Bratwurst mit Kartoffelbrei, Rippchen mit Kraut oder Erbseneintopf. Als Beilage gab es meist Salzkartoffeln. Pommes, die es heutzutage fast zu jedem Gericht gibt, waren eher die Ausnahme. Dafür gab es die Pommes-Buden. Italienische oder gar Chinesische Restaurants waren noch die große Ausnahme, während man heutzutage in einer Großstadt nach einem deutschen Gasthaus schon richtig suchen muss.

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    Montag, 1. August 2011, 20:26

    Pommes-Buden gab es in Köln schon in meiner Kindheit mehr als genug. Was wir aber vermutlich eher den Belgiern zu verdanken haben, die ja die Erfinder der Pommes sind. Manche Pommes-Buden nannten sich sogar "Friture", was das belgische Wort dafür ist. Schließlich hatten wir in Köln über 50 Jahre lang die belgischen Streitkräfte sitzen. Belgier essen Pommes übrigens auch mit Muscheln, und ihr werdet es nicht glauben, das schmeckt lecker! Das ist bei den Belgiern eine Art Nationalgericht. Übrigens, eine echte belgische Frittenbude erkennt man am wesentlich breiteren Saucensortiment. Da gibt es Sauce Andalouse, Sauce Diable und noch weitere, während die deutschen Frittenbuden ja nur Mayo und Ketchup kennen. Bis vor ein paar Jahren konnte man in Köln und in Aachen diese Pommes-Saucen noch preiswert bekommen, Delhaize, eine große belgische Supermarktkette, hatte in beiden Städten jeweils zwei Filialen. Dort gehörten diese Pommes-Saucen zum preiswerten Standard-Sortiment. Leider wurden vor ein paar Jahren die Delhaize-Geschäfte geschlossen. Jetzt kriegt man diese speziellen Pommes-Saucen nur noch sehr teuer in der Lebensmittelabteilung vom Kaufhof.

    Was ich in meiner Kindheit sonst noch an ausländischer Esskultur mitbekommen habe, das waren vor allem die italienischen Eisdielen, die in den 60ern in Mode kamen.

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    Dienstag, 2. August 2011, 08:57

    Nicht nur beim Essen waren noch die Erfahrungen der Kriegs-und
    Nachkriegszeit spürbar. Es gab noch vereinzelt Baulücken bei denen
    ein Haus in einer Reihe durch Bomben zerstört worden war oder
    die Reperatur war in der Weise ausgeführt, daß ein Haus 2 Stockwerke hatte, während die Nebenhäuser durchweg 4 Etagen aufwiesen.Auch hörte man ständig irgendwelche Geschichten aus dieser Zeit, die von Krieg, Gefangenschaft, Heimkehr oder Schwarzmarkt usw. handelten.Man sah auch des öfteren Kriegsbeschädigte auf der Straße.
    Die Bewertung dieser Zeit fiel wohl sehr unterschiedlich aus. Für
    einige war das alles nur schrecklich, es gab aber auch viele. die
    diese Zeit relativierten. Dies erfogte in der Weise, daß Deutschland
    halt den Fehler gemacht hatte den Krieg mit Russland und den USA
    aufzunehmen, der nicht zu gewinnen war, ansonsten war das ganze
    doch eine recht erfolgreiche Zeit gewesen, mal abgesehen davon,
    was mit den Juden passiert war. Zumindest herschte überall Ruhe
    und Ordnung und es gab keine Arbeitslosen mehr.

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    Dienstag, 2. August 2011, 09:24

    Die Kriegs- und Nachkriegszeit war in den 60ern noch ein zentrales Gesprächsthema. War man bei Verwandten oder Bekannten zu Besuch, saßen wir Kinder dann artig bei Tisch, aßen Kuchen und Kekse und hörten den Erwachsenen zu. An den Gesprächen waren wir Kinder nicht beteiligt, dazwischenreden durften wir nicht. Mit etwas Glück durften wir hin- und wieder etwas spielen oder auch schon mal Kinderstunde im Fernsehen schauen. Die Gespräche selbst waren für uns Kinder eher langweilig, man hörte halt zwangsläufig zu.
    Ich stamme aus einer Flüchtlingsfamilie und die Gespräche drehten sich in den 60ern häufig noch um die "alte Heimat", in unserem Verwandtenkreis war das Schlesien und das Sudetenland. Die meisten hatten sich in den 60ern schon mit dem Verlust der Heimat abgefunden und viele bauten sich neue Häuser. Einige glaubten aber noch fest daran, eines Tages wieder in die Heimat zurückkehren zu können.

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    Dienstag, 2. August 2011, 11:11

    Ähnliches galt für Leute, die aus der DDR stammten. Außerdem
    wurde viel von Besuchen nach "drüben" erzählt. Es wurden auch
    regelmäßig Pakete mit allen möglichen Dingen in die Zone geschickt. Besonders beliebt als Inhalt war Schokolade, Kaffee,
    Seife und Zigaretten oder teurere Spirituosen.Völlig umstritten war auch, wie mit dem "Osten" zu verfahren sei. Es gab echte
    kalte Krieger, aber auch Leute die von der "Koexistenz" überzeugt
    waren.
    Man kriegte das alles am Rande mit, denn diese Zusammenkünfte
    liefen exakt so ab wie es beschrieben wurde. Zu sagen hatte man
    als Kind nichts, allenfalls durfte man fragen, ob man noch etwas
    zu Essen haben kann. Bei meiner Tante durften wir Kinder bei solchen Anlässen dann Fernsehen, während woanders der Fernseher ausblieb, wenn Gäste da waren. Zum einen weil sich
    das so gehörte, zum anderen aber auch, weil manche glaubten
    zu viel Fernsehen schade gerade bei Kindern den Augen. Meine
    Cousine und ich waren dafür der absolute Beweis, denn wir sind
    beide kurzsichtig und waren dann auch kurz nacheinander Brillenträger geworden.

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    Mittwoch, 3. August 2011, 23:22

    Das kannte ich auch noch, dass man Kinder sehen, aber nicht hören soll. Vor allem meine Oma war noch so vom alten Schlag. Kamen ihre Freundinnen zu Besuch, erfolgte zunächst das Begrüßungsritual mit Hand geben ("das schöne Händchen!") und Knicks. Dann wurde man erst einmal über die Schule ausgefragt. Beim Kaffeetrinken war gutes Benehmen angesagt. Die Gesprächsthemen waren sowieso meistens von der Art, dass ich gar nicht hätte mitreden können. Vieles davon war schlicht und einfach Klatsch. Meistens war ich ganz froh, wenn ich aufstehen und ein Buch lesen oder mich vor den Fernseher setzen durfte.

    Was die Päckchen in die DDR anging, habe ich da von meiner Mutter her noch eine Erinnerung. Sie hatte dort noch eine Tante und einen Onkel, denen sie vor Weihnachten immer so ein Päckchen schickte. Persönlich kennen gelernt habe ich diese Verwandten auch einmal. Sie waren schon Rentner und durften daher reisen, und so waren sie mal für ein paar Tage bei uns zu Besuch. Aber so eine richtige Erinnerung habe ich an diese Verwandten nicht mehr. Nur dass meine Mutter froh war, als sie wieder abgereist sind, weil der Besuch doch viel Extraarbeit gemacht hat. Sie ließen sich nämlich von vorne bis hinten bedienen.

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    Donnerstag, 4. August 2011, 08:30

    Das beschriebene Verhalten der DDR-Bürger war wohl weit verbreitet. Dies lag auch daran, daß sie z.T. eine falsche Vorstellung vom Leben im Westen hatten. Sie gingen davon aus, daß
    alles was im West-Fernsehen in der Werbung gezeigt wurde unbegrenzt und überall verfügbar war und sich jeder alles leisten konnte. Umgekehrt gab es auch viele Westdeutsche, die vor ihren
    Verwandten im Osten mit ihrem Wohlstand protzten. Von denen
    wusste aber auch niemand, daß das neue Auto auf Raten gekauft war und viele andere Sachen auch. Die gingen dann davon aus, daß
    der reiche Onkel ruhig mal was springen lassen kann.

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    Donnerstag, 4. August 2011, 11:08

    Na ja, schlecht ging es uns nicht gerade, dadurch, dass meine Mutter einige Jahre mit arbeiten gegangen ist. Das ist schon wahr. Dadurch haben sie sich natürlich mehr anschaffen können, als wenn nur mein Vater arbeiten gegangen wäre. Meine Mutter war Sekretärin eines Abteilungsleiters bei Klöckner Humboldt Deutz, da verdiente sie gutes Geld, und als mein Vater seinen Meister dann hatte, verdiente er auch mehr. Wir wohnten zwar zur Miete, aber in einem Haus mit sieben Zimmern und großem Garten. Es war allerdings ein Altbau ohne Bad und Heizung, und mein Vater machte viel selber am Haus, der konnte das ja. Dadurch war die Miete dann auch nicht hoch. Ein Auto war da, meine Eltern waren recht nett eingerichtet, und regelmäßig in Urlaub gefahren sind wir auch. Kann natürlich sein, dass wir in den Augen dieser Verwandten wohlhabend gewirkt haben. Und natürlich konnten wir all die Sachen kaufen, die in der DDR teuer und schwer zu kriegen waren. Manches, wie zum Beispiel Möbel, dürfte tatsächlich auf Raten gekauft worden sein. Oma war nämlich Sammelbestellerin beim Otto Versand.

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    Freitag, 5. August 2011, 10:45

    Natürlich war der Lebenstandard eines Angestellten im Westen
    nicht zu vergleichen mit dem eines Rentners aus der DDR. Ich wollte auch nur zum Ausdruck bringen, daß es auf beiden Seiten schon damals Mißverständnisse gab, die auf falschen Vorstellungen beruhten. Letztendlich war dies auch ausschlagebend für die Probleme, die nach der Wiedervereinigung aufgetreten sind.

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    Samstag, 6. August 2011, 23:39

    Ja, das muss ein Unterschied von Welten gewesen sein!

    Nun ja, zurück zu diesen Verwandten. Jedenfalls hat meine Mutter sie nach diesem einen Besuch nicht mehr eingeladen. Wenn ich mich erinnere, mussten die Ost-Rentner, wenn sie reisen wollten, eine Einladung von Verwandten vorweisen. Nur die Päckchen hat sie weiterhin zu Weihnachten verschickt. Man konnte übrigens Unterstützung in Form von Päckchen und Besuchen auch von der Steuer absetzen. Ebenso, wenn man Verwandte in der DDR besucht hat, da konnte man dann außer den Geschenken auch den Zwangsumtausch mit absetzen. Allerdings sind wir da nie hingefahren.

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    Sonntag, 25. September 2011, 19:19

    Halloween

    ab nächster Woche bei ALDI: Halloween-Masken und -Kostüme, Schmink-Tipps, Halloween-Süßigkeiten wie die Fruchtgummi-Vampire.

    Na ja, lange hin ist es ja nicht mehr bis zum Vorabend von Allerheiligen. Dann treffen sich die Kids wieder auf Halloween-Parties, klingeln an den Wohnungstüren und sagen ihr Sprüchlein: Süßes oder saures. Obwohl auch in den 60ern vieles aus den USA zu uns herübergeschwappt ist, diesen Brauch gab es damals noch nicht. Die Herbstfeier- oder besser Gedenktage wie Allerheiligen, Allerseelen, den Volkstrauertag, den Totensonntag oder Buß- und Bettag, habe ich immer als depressiv-trüb-graue, ruhige (um nicht zu sagen langweilige) Tage in Erinnerung. Im Radio Gottesdienste oder klassische Musik, im Fernsehen Dokumentationen, Schauspiel- und Theateraufführungen mit Dramen und Tragödien (falls überhaupt Radio gehört und Ferngesehen wurde). Man ging in die Kirche und zum Friedhof. Meistens saß ich mit irgendeinem Buch in einer Ecke und hoffte, dass der Tag zu Ende ging. Immerhin wußte man damals meist noch warum man wessen gedachte. Ich glaube nicht, dass die Kids von heute auf den Halloween-Parties wissen, was es mit Halloween eigentlich auf sich hat.

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    Sonntag, 25. September 2011, 20:33

    Ich kann mich noch gut erinnern, dass auf Allerheiligen in den Kneipen keine Musik laufen durfte, und dass die Discotheken geschlossen waren. In den Kinos durften nur Filme ernsten Inhalts laufen. Fiel Allerheiligen auf einen Tag am Wochenende, war es für uns junge Leute mehr als langweilig, weil es nichts gab, wo wir hingehen und ein bisschen Spaß haben konnten.

    Morgens ging man in die Kirche, und Friedhofsbesuch war nachmittags auch angesagt. Wir hatten damals aber nur ein Grab, das wir besucht hatten, ein Großvater von mir. Das war aber nicht der Mann von der Oma, die bei uns gewohnt hat, dieser Großvater war nicht in Köln begraben, und auch von den anderen Verwandten keiner. Und extra durch die Weltgeschichte gefahren sind wir dafür nicht. Und nach dem Friedhofsbesuch zog sich dann der Nachmittag und der Abend. Auch im Fernsehen lief nichts Gescheites, nur religiöses Zeug. Ich war dann immer froh, wenn ich was zu lesen hatte.

    Diesen Halloweenbrauch, der in jüngster Zeit in Mode gekommen ist, kannte ich vorher nur aus Büchern. Bis dahin kannte ich nur, dass die Kinder nach dem Martinszug an den Häusern geklingelt haben, aber sie waren dafür weder verkleidet, noch drohten sie mit Streichen. Sie hatten nur ihre Martinslaternen bei sich und sangen Martinslieder. Und wenn irgendwo nicht aufgemacht wurde, brüllten die Kinder "Kniesköpp!" (Geizhälse), bevor sie weiterzogen.

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    Sonntag, 25. September 2011, 21:42

    Sankt Martin in den 60ern

    Eine der schönsten und bleibendsten Kindheitserinnerungen war für mich das Martinssingen im November. Regulär mußten wir Kinder spätestens um 18 Uhr pünktlich zum Abendbrot wieder zuhause sein. Diese Regelung wurde nur einmal jährlich Mitte November aufgehoben. In den Bäckereien unserer niederrheinischen Kleinstadt gab es um diese Zeit immer "Weckmänner", ein Männchen aus süßem Brotteig mit einer Tonpfeife. Gesungen haben wir meist 2-3 Tage lang mit sehr großem Ertrag. In unserer Wertschätzung standen die "Bäulchen" ganz unten, da sie die Masse unseres Ertrags ausmachten, weit darüber standen Schokolade und Schokoriegel (Nuts, Mars oder Milky Way, umfangreicher war das Angebot seinerzeit nach meiner Erinnerung noch nicht). Absolute Spitze war jedoch.... Geld ! Die Gaben reichten dabei von 10 Pfennigen bis zu einer halben Mark, für uns damals eine Menge Holz.

    Unser Repertoire an Liedern war recht begrenzt. Natürlich das Martinslied, daneben "Laterne, Laterne", "Ich geh´mit meiner Laterne" und das "Giezhalslied" für hartnäckige Spendenverweigerer.

    Leider gab es dann in den späten 60ern auch bereits Überfälle von älteren Jungs auf kleinere Kinder mit wohlgefüllten Tüten, nach heutigem Sprachgebrauch "Abziehen". Unsere Gruppe konnte sich dem jedoch durch rechtzeitiges Verdrücken in Hauseingänge entziehen.

    Die Festbeleuchtung bestand bei uns aus recht einfachen Papierlaternen mit Kerze, die bei Wind oder unvorsichtiger Handhabung auch schon mal "abfackelten", was dann immer ein großes Hallo auslöste.

    In unserer Region haben Erzieher und Lehrer Anfang der 90er teils recht erfolgreich versucht, daß Martinssingen bei den Kids populärer zu machen. In den letzten Jahren ist dies, zumindest bei uns, wieder stark rückläufig. Die meisten Kinder bekommen ganzjährig ausreichend Süßigkeiten, und so fehlt halt der Anreiz. Schade eigentlich.