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    Montag, 16. November 2020, 13:49

    Peter Wiechmann

    Erhard (Eiwennho) hatte ihn bereits erwähnt. Im Vergleich zu Branchengrößen wie Walter Lehning oder Rolf Kauka ist Peter Wiechmann heute fast ausschließlich bei Brancheninsidern oder in Fankreisen bekannt. Völlig zu Unrecht, denn der im Januar 2020 verstorbene Schlesier gilt als einer der Wegbereiter des modernen deutschen Nachkriegscomics.
    Der 1939 geborene Peter Wiechmann hat bereits zu einer Zeit Comics "gemacht", als es noch weitgehend unmöglich erschien, daß sich Leser jenseits der vierzehn für das Medium, dem damals noch ein gewisses "Schmuddelimage" anhaftete, interessieren könnten. Zwischen 1965 und 1980 war er Produktions- und Redaktionschef von Rolf Kauka und in späteren Jahren dann Leiter seines eigenen Comic- Studios. Neben zahlreichen anderen Projekten produzierte er Magazine wie "Fix & Foxi", "Lupo Modern", "Kauka- Comic", "Pepito", "Bussi Bär" und etwas später auch "Primo". Reihen, die den Markt deutscher Comics jener Jahre nachhaltig beeinflußt haben. Laut Eigenbekundung Wiechmann´s wurden die "Bildergeschichten" jener Zeit vorwiegend "von verkrachten Existenzen, Taxifahrern oder Geologiestudenten mit abgebrochenem Studium" hergestellt. Alles Zeitgenossen, denen die Idee, sie könnten Künstler sein, nicht ferner hätte liegen können. Und die dennoch die Populärkultur ganzer Generationen maßgeblich mitgeprägt haben. Peter Wiechmann erschuf dabei nicht nur Eigenproduktionen wie "Dietrich von Bern", "Thomas der Trommler" oder "Hombre", sondern holte auch ausgesprochene Erfolgsformate wie "Asterix", "Die Schlümpfe" oder "Lucky Luke" erstmalig nach Deutschland.
    In einem Interview, das nachfolgend stark gekürzt wiedergegeben werden soll, äußerte sich Peter Wiechmann darüber, wie alles anfing:" Wir hatten 1945 das Riesenglück, aus Schlesien raus in die Heimat meiner Mutter nach Eschwege fliehen zu können. Das heißt, ich bin sozusagen drei Kilometer von der Zonengrenze entfernt mit den Amerikanern aufgewachsen. Für mich fielen durch die Wascharbeiten meiner Mutter deren Comics ab. Sie waren für mich hochwertige Tauschware, aber keine Lektüre, weil mir die englischen Texte natürlich noch verschlossen waren. Ich erinnere mich noch an Titel wie Superman, Batman oder Wonder Woman...
    Nach meiner Ausbildung zum Schriftsetzer und dem Wehrdienst habe ich eine ganze Weile als Journalist gearbeitet. 1964 las ich dann in einer Anzeige, daß der Kauka- Verlag einen Redakteur suchte. Ich habe mich beworben und wurde eingestellt. Rolf Kauka selbst war eine schillernde, faszinierende, umtriebige, zupackende, unberechenbare Persönlichkeit. Aufbrausend, geduldig, nobel, kleinkariert. Durch meinen Arbeitseifer habe ich im Verlag die absolute Entfaltungsfreiheit erlangt. Als ich kam, gab es nur "Fix & Foxi". Sonst nichts. Als ich ging, gab es über zwanzig Titel. Je mehr Magazine und Taschenbücher ich mir ausdachte, desto größer wurde mit der Zeit der Materialmangel. Und es war die blanke Materialnot, die uns dazu brachte, den gesamten frankobelgischen Comic- Raum leerzukaufen. Auf diese Art sind auch "Asterix", "Lucky Luke" oder "Die Schlümpfe" nach Deutschland gekommen. Gemacht habe ich es auch, nachdem ich gemerkt hatte, daß die frankobelgischen Lizenzen keinen besonders hohen Preis hatten (Wiechmann erwähnt einen Seitenpreis von 60,- DM als Komplettlizenz, d.V.). In den 60ern herrschte Goldgräberstimmung auf dem Comic- Markt, und somit auch bei Kauka ! Ich kaufte auch in Italien und Spanien, und irgendwann ging das nicht mehr so weiter. Ich stieg dann auf die eigene Produktion um und arbeitete viel mit spanischen Zeichnern. Mit deutschen Zeichnern habe ich damals kaum gearbeitet, denn die waren meist Grafiker und empfanden es als unter ihrer Würde, eine Comicfigur zu "malen".
    In diesem Zeitraum gab es auch kaum Materialtausch unter den deutschen Comicverlagen. Das waren eher Konkurrenten, "Feinde", so daß ich neben den ausländischen Lizenzdrucken in späteren Jahren dazu überging, eigene Produktionen in meinem Comicstudio "Comicon" zu erstellen. "
    Sehenswertes Video zum Thema: www.youtube.com/watch?v=Zi0epHiGjfk

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    Mittwoch, 18. November 2020, 20:06

    Feuer und Flamme

    Inspiriert von farest seinen aufschlussreichen Bericht über Peter Wiechmann möchte ich mal so nacheinender meine gesammelten Werke zu Ihm vorstellen.

    Ein monumentales Werk über Peters Kindheit und Jugend von 1944 bis 1959 als er zur Bundeswehr einrücken musste, stellt sein Buch "Feuer und Flamme" dar.
    Geschrieben eigentlich für seine Familie da auch über intime Details berichtet wird, hat er es in seinem Keller auf einer altertümlichen Druckpresse selbst hergestellt.
    Über 3,5 Kilo schwer und über 1000 Seiten stark stellt es in meiner Wohnung in der Vitrine für Besonderes auch noch gleich was Besonderes dar.
    Ich habe eins der wenigen Exemplare von ihm bekommen weil er genau wusste dass das Buch erst nach mir aus meinem Haus getragen wird.
    Schon seine Widmung ist Lesevergnügen pur und dann taucht man ein in eine Welt die über weite Strecken auch meine gewesen sein könnte.
    Gelesen habe ich das Buch einen ganzen Sommer lang auf meiner Terrasse denn es ist kein Buch das man auf dem Sofa lesen sollte. :thumbsup:

    Für Interessierte, es müsste immer noch als E Book erhältlich sein. Aber wo genau das weiß ich auch nicht so genau. :D

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    Donnerstag, 19. November 2020, 18:00

    Peter Wiechmann

    So wie du es schilderst, hattest du ein persönliches Verhältnis zu Peter Wiechmann, Erhard. Wäre hochinteressant, wenn du dich dazu in diesem Forum äußern würdest.

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    Donnerstag, 19. November 2020, 19:00

    Ja das kann ich so nach und nach machen.
    Wie schon geschrieben habe ich da so einiges von Peter erhalten.
    Und da werde ich immer mal so meine Anekdoten dazugeben. Aber alles hat seine Zeit.

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    Freitag, 4. Dezember 2020, 20:24

    Thomas der Trommler

    Das erste Buch das ich mir von Peter gekauft habe war dann 2009 "Thomas der Trommler".
    Die Geschichten darin sind ja in YPS erschienen das vollkommen an mir vorbei gegangen ist.
    Das es das gegeben hat habe ich erst erfahren als es schon eingestellt war. Werde da aber nichts großartiges versäumt haben.
    So wie ich erfahren habe wurde es ja auch hauptsächlich wegen dem sogenannten Gimmick verkauft.
    Comics lassen sich heutzutage anscheinend nur noch mit solch billigen Plastik Gelumpe verkaufen wie ich im Bahnhofskiosk sehe.

    Dabei ist die Geschichte von Thomas zum Teil schon harter Tobak und für Kinder grenzwertig.
    Der Dreißigjährige Krieg war ja auch 30 Jahre lang nur ein gnadenloses Gemetzel. Was es hier in Comicform auch nicht beschönigt.
    Es spielt dann auch in großen Teilen um die Stadt Eschwege, wo Peter ja seine ganzen Jugendjahre verbracht hat.
    Siehe da auch wieder sein Buch "Feuer und Flamme".
    Was das 160 Seiten dicke Buch dann auch wieder sehr interessant macht sind die vielen Seiten in denen Peter die Geschichte erklärt.

    Hochwertig auf besten Papier gedruckt ein schönes Teil zum schenken lassen oder sich selber schenken und damit die ruhigen Feiertage genießen.

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    Freitag, 4. Dezember 2020, 22:41

    Thomas der Trommler und YPS

    Da hast du mich neugierig gemacht Erhard, da mich die Thematik "Dreißigjähriger Krieg" schon immer interessiert hat. Werde ich mir daher wohl zulegen (müssen) :thumbup: .
    Auch Hansrudi Wäscher hat ja in seinen frühen Jahren bei Lehning eine von der Thematik her ähnliche Serie namens "Jörg" produziert.
    YPS dürfte an uns beiden deutlich vorbeigegangen sein, da das Format erst 1975 auf den deutschen Markt kam, dann aber erstaunlich lange bis zur Jahrtausendwende lief. Das dürfte wohl in erster Linie an den Gimmicks gelegen haben, die enorm vielfältig waren und mir bereits in den 70ern am Büdchen gelegentlich ins Auge stachen. Wir Kinder der 60er Jahre kannten derartiges, sieht man von gelegentlichen Beilagen wie Sammelbildern, Schallfolien oder Sonnenblenden ab, ja noch nicht.

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    Samstag, 16. Januar 2021, 21:03

    Tex and Mex Skalphunters

    Von Peter Wiechmann und Zeichner Juan Sarompas.

    Wer den Western "Butch Cassidy und the Sundance Kid" mit Robert Redford und Paul Newman kennt und mag der wird auch mit diesem Buch sein Vergnügen haben.
    Auf knapp 180 Seiten entfaltet sich hier eine fulminante Story um 2 Außenseiter mit ihrem Old Boy die im Süden der USA und Mexiko spielt.
    Enthalten sind in diesem Hardcover Band auch etliche redaktionelle Beiträge mit vielen zeitgenössischen Fotos.
    Zeichnungen und Story lassen einen den heißen Süden Nordamerikas förmlich spüren.
    Der Band, 2016 erschienen, ist auf 999 Exemplare limitiert wovon wiederum die ersten111 sogenannte Vorzugsausgaben sind.
    Sie wurden durchnummeriert und mit einem Durchschuss versehen wobei eine echte Colt Kugel als Lesezeichen beigefügt ist.
    Wobei dieses Loch durchs ganze Buch damals für durchaus kontroverse Diskussionen im Netz geführt hat.

    Mein Exemplar hat natürlich meine Wunschnummer, nein nicht die Nummer 1 das wäre mir dann doch zu blöde, und eine schöne Widmung vom Autor.
    Die Peter mal wieder extra für mich verfasst hat.

    Beigefügt ist außerdem ein großformatiges Poster mit den ersten Entwürfen des Zeichners zur Comicfassung.
    Wer für sich solche Geschichten begeistern kann, kann hier bedenkenlos zugreifen er erhält ein hochwertiges Lesevergnügen.
    Es dürfte immer noch erhältlich sein.

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    Dienstag, 2. Februar 2021, 20:32

    OS Cangaceiros Die Gesetzlosen

    Den brasilianischen Spielfilm "O Cangaceiro" habe ich das erste und einzige Mal am 28.1.1967 spät Abends gesehen. Er ist ja auch nie nie mehr widerholt worden.
    Der Film war zwar brutal aber durch die grandiose Filmmusik doch etwas abgemildert. Für einen 12 jährigen trotzdem harter Tobak.
    Aber nicht die Titelmelodie, die unter anderem auch von Joan Boaz neu interpretiert wurde, ging mir Jahrzehnte lang nicht mehr aus dem Kopf. Sondern das Lied von "Lua Bonita" das ein Schifferklavierspieler am Lagerfeuer der Gesetzlosen singt. Aber erst vor ein paar Jahren habe ich es auf YT wiedergefunden wo es auch ein paar andere Ausschnitte noch zu sehen und hören gibt. Leider ist er noch nicht mal in seinem Entstehungsland Brasilien auf DVD erschienen. Ich würde ihn auch haben wollen.

    Peter Wiechmann nun hat ihn auch gesehen und zwar 1954 in einem damaligen Wanderkino in seiner Schule. Wie mir ging ihm dieser völlig andere Banditenfilm der alle anderen Cowboyfilme unter ferner liefen rangieren ließ auch nicht mehr aus dem Kopf.
    Aber als Comicmacher hat er dann 1985 unter Spaniens heißer Sonne dann das Script zu einem Comic geschrieben den er auch von dem Zeichner Rafael Mendez in Bilder umsetzen ließ. Zu einer geplanten Fortsetzung ist es aber dann nie gekommen da der Zeichner erkrankte was ihm das Zeichnen nicht mehr möglich machte.
    Auch der bereits gezeichnete Teil wurde durch widrige Umstände nie veröffentlicht.
    Vor ein paar Jahren rief mich Peter dann mal an und wir kamen auf den Film und auch den Comic zu sprechen. Er war da verblüfft das ich den Film auch kannte und so nahm der Plan einer Veröffentlichung des Comics immer mehr Gestalt an.
    Leider hat er dann den grandiosen Hardcoverband selbst nicht mehr in Händen halten können denn er ist ja wenige Wochen vor seinem erscheinen im Januar 2020 verstorben.
    Ich war darüber auch so geschockt dass ich mir den Band auch erst vor ein paar Tagen zusammen mit der Sprechblase 244 im Bildschriften Verlag Hannover, wo er erschienen und auch immer noch erhältlich ist, gekauft habe.
    Ich habe ihn dann auch in einem Rutsch, zusammen mit dem umfangreichen Bonusmaterial das von Peter selbst stammt, durchgelesen. Ein Muss für den Freund außergewöhnlicher Geschichten.

    Es ist der einzige von Peter selbst herausgegebene Comicband der keine an mich gerichtete Widmung trägt. Nicht nur deswegen bin ich traurig darüber.