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    Freitag, 10. Januar 2020, 16:50

    ZDF - Matinee

    Das im Sonntagvormittagsprogramm des ZDF erstmals am 6. April 1975 ausgestrahlte Format war eine meiner Lieblingssendungen der 70er Jahre, da es zahlreichende kulturelle Highlights wie frühe Stummfilme von Rang ("Der Student von Prag", "Metropolis", "Nosferatu" usf.) vorführte, die in den 70ern eher für ein Nischenpublikum geeignet waren und deren Ausstrahlung in eine Zeit fiel, als die ÖR- Sender noch nicht vorwiegend auf Einschaltquoten schielten und v.a. ihrem Bildungsauftrag nachkamen. Daß das Format ab Mitte der 80er Jahre nach dem Aufkommen der Privatsender letztendlich durch den "ZDF- Fernsehgarten" abgelöst wurde, ist in diesem Zusammenhang mehr als bezeichnend :thumbdown: .
    Die "ZDF- Matinee" war ein 90- Minutenformat, das zwischen 1975 und 1984 über beachtliche 494 Folgen fast immer an Sonntagvormittagen meist zwischen 10:30 und 12:00 Uhr ausgestrahlt wurde. Das 2015 verstorbene ZDF- Urgestein Hugo Schedlich schuf ab April ´75 mit der "Matinee" ein völlig neues Kulturformat, das mit der ausgefallenen Titelmusik "Tedesca" von Giorgio Mainerios aus dem Jahre 1578 eingeleitet wurde:
    www.youtube.com/watch?v=hU7tfeqbe7U
    Die Aufgabe der "Matinee"- Redakteure bestand darin, zunächst einmal aus dem reichhaltigen Fundus bereits produzierter ZDF- Sendungen mit kulturellem Anspruch eine passende Kompilation zu erstellen. In den frühen achtziger Jahren wurden dann bis zur Einstellung des Formats 1984 zunehmend neue Eigenproduktionen gesendet, nachdem sich der Bestand an geeignetem Archivmaterial weitgehend erschöpft hatte.
    Einschaltquoten spielten aus der damaligen Sicht des Hauses eine absolut untergeordnete Rolle, da man am Mainzer Lärchenberg die "Matinee" als kulturelles Spitzenformat betrachtete, mit dem man auch im internationalen Maßstab renommieren konnte.
    Nach dem Aufkommen der Privatsender wurde die "Matinee" ab Oktober 1984 durch "Die Stadtschreiber" abgelöst, die zumindest über die Sommermonate ab Juni 1986 durch den "ZDF- Fernsehgarten" ersetzt wurden, der bis heute ausgestrahlt wird.
    Die insgesamt 494 Folgen des Formats boten ein breites Spektrum aus Sendungen über bildende Kunst, Museumsführungen, Beiträge über Politik, Geschichte, Literatur, Wissenschaft, Film und Theater. Wie bereits erwähnt, wurden auch zahlreiche frühe Filmproduktionen wie "Der Student von Prag" sowie zahlreiche frühere Beiträge aus der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" ausgestrahlt. Neben vielen Highlights waren auch eine Reihe von Produktionen darunter, die mich damals weniger interessierten, was der Sache aber keinen Abbruch tat.
    Unter dem Strich bot die "Matinee" aber ein überaus breit gefächertes, viele Themenbereiche ansprechendes Kulturprogramm, das es so zumindest bei den ÖR- Sendern auf absehbare Zeit nicht mehr geben dürfte.

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    Samstag, 11. Januar 2020, 00:27

    RE: ZDF - Matinee

    Interessanter Beitrag, vielen Dank dafuer.
    Bei ZDF muss ich immer an den sympathischen Dieter Zimmer denken, dessen Dreiteiler "Kalifornisches Quartett" (1995) mit Susanne Uhlen ich mir vorgestern und gestern mal wieder anschaute (leider gibt es den IMMER NOCH NICHT auf kommerziellen DVD Sets).
    Ich frage mich oft, wie es ihm heute geht?
    Google.de research brachte mich leider nicht weiter.
    Das im Sonntagvormittagsprogramm des ZDF erstmals am 6. April 1975 ausgestrahlte Format war eine meiner Lieblingssendungen der 70er Jahre, da es zahlreichende kulturelle Highlights wie frühe Stummfilme von Rang ("Der Student von Prag", "Metropolis", "Nosferatu" usf.) vorführte, die in den 70ern eher für ein Nischenpublikum geeignet waren und deren Ausstrahlung in eine Zeit fiel, als die ÖR- Sender noch nicht vorwiegend auf Einschaltquoten schielten und v.a. ihrem Bildungsauftrag nachkamen. Daß das Format ab Mitte der 80er Jahre nach dem Aufkommen der Privatsender letztendlich durch den "ZDF- Fernsehgarten" abgelöst wurde, ist in diesem Zusammenhang mehr als bezeichnend :thumbdown: .
    Die "ZDF- Matinee" war ein 90- Minutenformat, das zwischen 1975 und 1984 über beachtliche 494 Folgen fast immer an Sonntagvormittagen meist zwischen 10:30 und 12:00 Uhr ausgestrahlt wurde. Das 2015 verstorbene ZDF- Urgestein Hugo Schedlich schuf ab April ´75 mit der "Matinee" ein völlig neues Kulturformat, das mit der ausgefallenen Titelmusik "Tedesca" von Giorgio Mainerios aus dem Jahre 1578 eingeleitet wurde:
    www.youtube.com/watch?v=hU7tfeqbe7U
    Die Aufgabe der "Matinee"- Redakteure bestand darin, zunächst einmal aus dem reichhaltigen Fundus bereits produzierter ZDF- Sendungen mit kulturellem Anspruch eine passende Kompilation zuerstellen. In den frühen achtziger Jahren wurden dann bis zur Einstellung des Formats 1984 zunehmend neue Eigenproduktionen erstellt, nachdem sich der Bestand an geeignetem Archivmaterial weitgehend erschöpft hatte.
    Einschaltquoten spielten aus der damaligen Sicht des Hauses eine absolut untergeordnete Rolle, da man am Mainzer Lärchenberg die "Matinee" als kulturelles Spitzenformat betrachtete, mit dem man auch im internationalen Maßstab renommieren konnte.
    Nach dem Aufkommen der Privatsender wurde die "Matinee" ab Oktober 1984 durch "Die Stadtschreiber" abgelöst, die zumindest über die Sommermonate ab Juni 1986 durch den "ZDF- Fernsehgarten" ersetzt wurden, der bis heute ausgestrahlt wird.
    Die insgesamt 494 Folgen des Formats boten ein breites Spektrum aus Sendungen über bildende Kunst, Museumsführungen, Beiträge über Politik, Geschichte, Literatur, Wissenschaft, Film und Theater. Wie bereits erwähnt, wurden auch zahlreiche frühe Filmproduktionen wie "Der Student von Prag" sowie zahlreiche frühere Beiträge aus der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" ausgestrahlt. Neben vielen Highlights waren auch eine Reihe von Produktionen darunter, die mich damals weniger interessierten, was der Sache aber keinen Abbruch tat.
    Unter dem Strich bot die "Matinee" aber ein überaus breit gefächertes, viele Themenbereiche ansprechendes Kulturprogramm, das es so zumindest bei den ÖR- Sendern auf absehbare Zeit nicht mehr geben dürfte.

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    Samstag, 11. Januar 2020, 16:12

    Dieter Zimmer

    Hi Chrissie,
    danke für die Blumen. Übrigens ist ein Bezug der "ZDF- Matinee" zu den 60er Jahren durchaus gegeben, da ein Großteil der zumindest in den ersten Jahren verwendeten Beiträge noch aus dieser Zeit stammten.
    Der von dir angesprochene, im Dezember 1939 in Leipzig geborene Dieter Zimmer war auch für mich ein bekanntes Fernsehgesicht der 70er/ 80er Jahre und lebt als mittlerweile 80jähriger heute noch.
    Ihn prägte ein typisches Schicksal der Kriegs- und frühen Nachkriegszeit: Vater 1942 unter ungeklärten Umständen in Norwegen gestorben, mit der Mutter 1953 "in den Westen gemacht", Abitur am Goethegymnasium in Hannover (noch heute eine der besseren Einrichtungen dieser Schulform), Studium.
    Ab 1968 zunächst beim SWF als Hospitant, Fernsehreporter und Moderator.
    Seit 1972 Tätigkeit beim ZDF: zunächst als Moderator der "Drehscheibe", zwischen 1973 und 1978 Studioredakteur der "Heute"- Nachrichten. 1978 Wechsel in die Hauptredaktion Innenpolitik mit Filmreportagen über die deutsche Zeitgeschichte mit Schwerpunkt DDR.
    Zwischen 1981 und 1999 Präsentation von Hochrechnungen und Analysen im ZDF- Wahlstudio, zwischen 1984 und 1989 Moderator des "Sonntagsgesprächs". 1989 schwerer Schlaganfall, eine Lebenserfahrung, über die er auch ein Buch geschrieben hat.
    Ab 1980 auch Betätigung als Roman- und Sachbuchautor: "Für´n Groschen Brause" (1983 verfilmt), "Kalifornisches Quartett" (1994/95 als Dreiteiler filmisch umgesetzt), daneben u.a. auch Sachbücher über Leipzig.
    Auszeichnung 1984 mit dem Jakob Kaiser- Preis für die filmische Umsetzung von "Für´n Groschen Brause", 1988 mit dem Adolf Grimme- Preis in Gold für "Phantom Fieber".
    Diese Infos nur für den Fall, daß du es noch nicht wußtest ;) .