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    Samstag, 20. April 2019, 02:17

    Ostern gibt es bei uns nicht

    Ich dachte, es ist Zeit fuer ein neues Thema.
    Mir ist noch ein Unterschied zwischen Europa und den USA aufgefallen: hier sind weder Karfreitag noch Ostermontag Feiertage. Natuerlich existiert Ostern per se, aber es ist ein ganz normales Wochenende wie jedes andere auch (Karfreitag aka Good Friday ist nur in einem unserer vier grossen Kalender erwaehnt, die in unserem Haus haengen), alle Amis muessen am Karfreitag und am Ostermontag arbeiten. ;(

    Warum das so ist, konnte mir bisher allerdings noch niemand erklaeren, es wird dann immer darauf hingewiesen, dass es ja dafuer Ende Mai das lange Memorial Day weekend (Montag Feiertag), den 4. Juli (Independence Day), Labor Day weekend im September (Montag frei) und Thanksgiving Ende November (4 Tage im Stueck frei) gibt.
    Da kein zweiter Weihnachtsfeiertag in den USA existiert, werden die grossen Familientreffen in der Regel Ende November an Thanksgiving abgehalten, denn viele Amerikaner nehmen keinen Urlaub zwischen Weihnachten und Silvester (der hier New Year's Eve genannt wird).
    Wer hat nun eigentlich mehr Feiertage? Die USA oder Germany?
    Happy Easter! :)

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    Samstag, 20. April 2019, 17:23

    Ostern in den 60ern

    Hi Chrissie,
    bei uns in Deutschland geht´s, sofern der Job annähernd krisensicher ist, in die entgegengesetzte Richtung, denn aus dem Brückentag wurde bei einigen bereits eine ganze Brückenwoche. Es sei ihnen gegönnt ;) .
    An Ostern in den 60ern habe ich eigentlich durchweg recht angenehme Erinnerungen. Die Natur erwachte zu neuem Leben, wir konnten draußen spielen oder fuhren über die Feiertage zu meinen Großeltern ins ca. 40 Kilometer entfernte Ennepetal. Während bei uns zuhause die hartgekochten Ostereier "künstlerisch bemalt" oder in seltenen Ausnahmefällen auch einmal ausgeblasen wurden, gab´s bei meinen Großeltern nur gefärbte Eier, so wie es sie seit einigen Jahren z.B. bei Feinkost Albrecht in Zehnerpacks zu kaufen gibt.
    Meine Großmutter war sehr geschickt darin, die Eier in ihrer Wohnung zu verstecken und arbeitete mit allen Tricks, z.B. mit Stecknadeln und kleinen Stoffbeuteln, um die Eier unter den Möbeln anbringen zu können.
    Neben den gefärbten oder bemalten Eiern gab´s bei uns zuhause kleinere und größere, bedruckte Pappeier, in denen sich das berühmte "Ostergras" (grün gefärbte Holzwolle) und die entsprechenden Süßigkeiten befanden.
    Leider sind diese sehr dekorativen Pappeier aus den 50er Jahren durch die Umzüge verloren gegangen. Sie werden zwar auch noch heute hergestellt, sind aber wohl i.W. Chinaimporte und besitzen nicht die graphische Qualität, die die älteren Behälter hatten.
    An Osterbraten gab´s bei uns auffallend oft Kaninchen, daneben Ente, später Pute und in seltenen Ausnahmefällen auch Gänsebraten. Letzterer war aber meist dem Weihnachtsfest vorbehalten.
    Der Osterspaziergang durfte natürlich auch nicht fehlen, meist ging´s durch die landschaftlich sehr reizvolle, mit zahlreichen Talsperren versehene Landschaft des Ennepe- Ruhr Kreises, in dem meine Großeltern nach ihrer Übersiedlung aus Stendal seit Anfang der 60er Jahre wohnten.

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    Mittwoch, 24. April 2019, 22:11

    RE: Ostern in den 60ern

    Hi Uwe,
    das mit den Brueckentagen/wochen ist hier auch populaer. Leider nehmen die wenigsten Amis mehr als ein oder zwei Wochen im Stueck frei (die wahre Erholung beginnt erst mit der 3. Woche, was jeder Arzt bestaetigen kann)

    Ich erinnere mich vom Bodensee her ans Ostereiersuchen, aber in Braunschweig wurde es dann nicht mehr gemacht.
    Gibt es eigentlich noch die koestlichen Milka Pasteteneier? Sie waren mit Marzipan und Pistazien gefuellt, man bekam sie vor Ostern in den Drogerieketten, und jedes Ei kostete stolze 4 DM (das war vor 2002), aber das war es mir damals wirklich wert.
    Online finde ich sie nicht mehr.
    Als ich 18 war, und einen Freund hatte, nahm der mich jedes Jahr mit zum Osterfeuer bei Freunden, das es offenbar immer noch in Germany gibt. In manchen Jahren im Maerz war es trotz des Feuer und Hochprozentigem sehr sehr kalt.
    Ostereiersuche im Haus kannte ich noch gar nicht, auch die Pappeier nicht.
    Was wir an Ostern assen, habe ich ehrlich gesagt vergessen. Weihnachten gab es oft Rehruecken.
    Und bald darauf kam immer die gefuerchtete Spargelzeit (ich mag ihn bis heute nicht), da musste ich mit meinen Eletrn aufs Land fahren und in irgendeinem Restaurant Spargelgerichte essen.
    An Spinat habe ich mich hingegen inzwischen dank Pizza gewoehnt. :D
    Nur Paprika mag ich bis zum heutigen Tag nicht. Meine Mutter machte oft mit Reis gefuellte Paprikaschoten. Den Reis mochte ich ganz gern, die Paprikaschoten absolut nicht, aber ich wurde gezwungen, sie zu essen (und musste mich hinterher regelmaessig davon uebergeben).
    Ich glaube, in der Hinsicht haben es die heutigen Kinder viel besser, kein Kind wird mehr gezwungen, Leber oder Paprika etc zu essen. Ich verfuetterte die Leber immer heimlich an unseren Dackel, der schon erwartungsvoll unterm Esstisch sass.
    Eines Tages hatte mein Vater die Nase voll von der woechentlichen Leber, und legte sein Veto ein (zu meiner grossen Freude), und von da an ging es ploetzlich auch ohne Leber.
    Davon abgesehen kochte meine Mutter eigentlich ganz gut. Ich liebte ihre Eierkuchen, die mit Quark gefuellt wurden und ihre Paella (Reis mit Wuerstchenstueckchen).
    Konnten Deine Grosseltern aus Altersgruenden von Stendal in den Westen ziehen?
    Hi Chrissie,
    bei uns in Deutschland geht´s, sofern der Job annähernd krisensicher ist, in die entgegengesetzte Richtung, denn aus dem Brückentag wurde bei einigen bereits eine ganze Brückenwoche. Es sei ihnen gegönnt ;) .
    An Ostern in den 60ern habe ich eigentlich durchweg recht angenehme Erinnerungen. Die Natur erwachte zu neuem Leben, wir konnten draußen spielen oder fuhren über die Feiertage zu meinen Großeltern ins ca. 40 Kilometer entfernte Ennepetal. Während bei uns zuhause die hartgekochten Ostereier "künstlerisch bemalt" oder in seltenen Ausnahmefällen auch einmal ausgeblasen wurden, gab´s bei meinen Großeltern nur gefärbte Eier, so wie es sie seit einigen Jahren z.B. bei Feinkost Albrecht in Zehnerpacks zu kaufen gibt.
    Meine Großmutter war sehr geschickt darin, die Eier in ihrer Wohnung zu verstecken und arbeitete mit allen Tricks, z.B. mit Stecknadeln und kleinen Stoffbeuteln, um die Eier unter den Möbeln anbringen zu können.
    Neben den gefärbten oder bemalten Eiern gab´s bei uns zuhause kleinere und größere, bedruckte Pappeier, in denen sich das berühmte "Ostergras" (grün gefärbte Holzwolle) und die entsprechenden Süßigkeiten befanden.
    Leider sind diese sehr dekorativen Pappeier aus den 50er Jahren durch die Umzüge verloren gegangen. Sie werden zwar auch noch heute hergestellt, sind aber wohl i.W. Chinaimporte und besitzen nicht die graphische Qualität, die die älteren Behälter hatten.
    An Osterbraten gab´s bei uns auffallend oft Kaninchen, daneben Ente, später Pute und in seltenen Ausnahmefällen auch Gänsebraten. Letzterer war aber meist dem Weihnachtsfest vorbehalten.
    Der Osterspaziergang durfte natürlich auch nicht fehlen, meist ging´s durch die landschaftlich sehr reizvolle, mit zahlreichen Talsperren versehene Landschaft des Ennepe- Ruhr Kreises, in dem meine Großeltern nach ihrer Übersiedlung aus Stendal seit Anfang der 60er Jahre wohnten.

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    Donnerstag, 25. April 2019, 17:02

    Milka Pasteteneier, Osterfeuer und das Schicksal meiner Großeltern

    Hi Chrissie,
    ob es die die Milka Pasteteneier noch gibt, kann ich Dir leider nicht sagen. Erinnerlich sind mir aus den 60ern die zahlreichen Baiser- Produkte, die es zu dieser Jahreszeit gab und die damals Objekt meiner Begierde waren.
    Auch mit "Knickebein" gefüllte Schokoladeneier mochte ich, während Produkte aus Nougat nur dann gegessen wurden, wenn absolut nichts mehr an anderen Leckereien vorhanden war. Mein absoluter Favorit waren und sind aber Marzipanprodukte :thumbsup: .
    Osterfeuer kannte ich vom Niederrhein überhaupt nicht, dagegen sind diese hier im ländlichen Raum Niedersachsens noch weit verbreitet. Da tobt sich dann gerne die Dorfjugend aus, wobei heute auch nicht mehr alles hineingeworfen werden darf, was Flammen fängt ;) .
    Meine Großeltern bekamen im zeitigen Frühjahr 1945 eine Zuweisung nach Stendal, nachdem sie im Januar von den Kampfhandlungen an der Oderfront eingeholt wurden und nur knapp mit dem Leben davonkamen.
    Der Ort war, obwohl dort ein Fliegerhorst (Stendal- Borstel) vorhanden war, nur wenig kriegszerstört. Für die militärhistorisch Interessierten: von dort starteten 1944/45 die sogenannten "Rammjäger" zum Einsatz auf alliierte Bomberverbände.
    Von Stendal sind sie dann 1960 über Berlin in den Westen "rübergemacht", wo drei ihrer vier Söhne bereits lebten. Der vierte hat´s dann leider nicht mehr geschafft. Die Mauer wurde bekanntlich erst im August 1961 errichtet, nicht zuletzt wegen der zahllosen Fälle von "Republikflucht" über West- Berlin zu dieser Zeit. Ab 1964/65 wären dann auch Rentnerbesuche von DDR- Bürgern zu Verwandten in die BRD möglich gewesen.

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    Freitag, 26. April 2019, 02:12

    Marzipan

    Und diesen Onkel habt Ihr dann regelmaessig in der DDR besucht?
    Mein
    Opa aus Pegau/Leipzig und meine Oma kamen abwechselnd zu Besuch in den
    Westen, sobald sie 65 waren. Aber sie verbrachten den Rest ihres Lebens
    in der DDR, wo wir sie jedes Jahr besuchten, und erlebten die Wende
    leider nicht mehr. Meine Oma starb im Jahr davor, mein Opa einige Jahre
    vor ihr.
    Mein Onkel erlebte die Grenzschliessung bei
    Verwandten in West-Berlin als 17 jaehriger mit, wollte aber seine Eltern
    in der DDR nicht im Stich lassen (da bereits sein aelterer Bruder (mein
    Vater) und seine aeltere Schwester in den spaeten 40er Jahren bzw
    fruehen 50er Jahren in den Westen gefluechtet waren, wo mein Vater dann
    endlich in Bayern Medizin studieren konnte.
    Als Apothekerssohn wurde ihm das in Leipzig nicht erlaubt, er durfte nur Sport studieren.
    Meine Eltern lernten sich beim Studium kennen.
    Als
    die Wende kam, reiste mein Onkel mit meiner Tante viel in der Welt
    herum (Nachholbedarf, man durfte in der DDR ja hoechstens im Urlaub mal
    an die Ostsee oder auf die Krim), sie waren auch in den USA, ziehen aber
    Suedamerika vor.

    Die Milka Pasteteneier
    kamen uebrigens erst in den 90er Jahren auf (meine ich). Ich schaetze,
    ein Pastetenei muss so um die 200 g oder 250 g gewogen haben, und
    kostete 3,98 DM.
    Genauso lecker (und es gibt sie immer noch
    seit mindestens 3 Jahrzehnten) finde ich die weihnachtlichen
    Marzipan/Nougat-Baumstaemme bei ALDI, die ab Ende September bis 15.12.
    Jahr fuer Jahr angeboten werden. Suechtig machend... :D
    Aber Du bist ja sicher vor ihnen, da Du kein Nougat magst (ich liebe es!).

    Fuer
    Schokolade gefuellt mit Alkohol oder Orange oder was fuer merkwuerdige
    Auswuechse es da gibt (hier wird sie u. a. mit raspberries gefuellt :rolleyes: ) konnte ich mich noch nie erwaermen. Entweder Vollmilch oder gar nicht.So
    leckere Pralinen wie in Germany oder in der Schweiz kennt man hier
    nicht. Von Lindt gibt es keine Pralinenkaesten, nur die Lindor Kugeln.

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    Freitag, 26. April 2019, 16:27

    DDR- Verwandtenbesuche in den 60ern

    Hi Chrissie,
    da ging´s Dir ähnlich wie mir. Wir, das waren meine Mutter und ich, sind zwischen 1961 und 1969 alle zwei Jahre über Oebisfelde mit der Bahn in die DDR gefahren, um dort die Eltern und die Schwester meiner Mutter zu besuchen. Eine alteingesessene Stendaler Familie, die damals nicht im Traum daran gedacht hätte, ihre Heimat wegen der etwas "andersgearteten" Lebensumstände zu verlassen.
    Den einzigen Bruder meines Vaters, der nach 1961 in der DDR hängengeblieben ist und dort beim RAW Stendal über lange Jahre tätig war, haben wir natürlich auch "bedacht", aber das war eher eine Pflichtübung seitens meiner Mutter.
    Im Gegenzug kam meine Großmutter ab ca. 1965/66 mehrfach zu Besuch, widersetzte sich aber hartnäckig dem Wunsch ihrer Tochter, endgültig bei ihr zu bleiben. Dazu beigetragen hat sicher auch das damalige obskure Verhalten eines Hildener Ordnungsbeamten, der ihr die prekäre Rentensituation vor Augen hielt, die sie als "nur" Hausfrau und Mutter hier erwarten würde.
    Mein jüngster Onkel väterlicherseits hat 1960/61 noch so gerade eben die Kurve gekratzt, nachdem er nach einem Abstecher nach West- Berlin (er wollte das "Schaufenster des Westens" einfach mal leibhaftig erleben) in Stendal eine Nacht lang von der Stasi verhört worden war. Unterstellt wurden ihm Spionagetätigkeiten, was natürlich horrender Blödsinn war. Danach hatte er genug vom "real existierenden Sozialismus" und setzte sich umgehend endgültig in den Westen ab.
    Entferntere Verwandte (ebfs. Ostvertriebene) wohnten im Raum Halle und bei Gardelegen, die habe ich aber erst in den Siebzigern persönlich kennengelernt.
    Generell kann man sagen, daß die "Durchmischung" der deutschen Nachkriegsgesellschaft durch rund zehn Millionen Flüchtlinge und Ostvertriebene durchweg gutgetan, die soziale Mobilität ungemein befördert und ihren Teil zur Hochkonjunktur der späten 50er bis frühen 70er Jahre beigetragen hat.
    Auch wenn viele von ihnen insbesondere im ländlichen Milieu der späten 40er Jahre, als die Ressourcen knapp waren, oft alles andere als gern gesehen waren :( .