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    Dienstag, 10. Juli 2018, 15:53

    Bewegende Momente der 60er Jahre - Die Kuba- Krise 1962

    Die Ereignisse im für damalige deutsche Verhältnisse noch "weit entfernten" Kuba brachte die bipolare Welt der frühen 60er Jahre bis an den Rand eines Atomkriegs und bezeichnete gleichzeitig den Höhepunkt des "Kalten Krieges" dieser Dekaden. Als damals fünfjähriger Steppke habe ich von den damaligen Ereignissen naturgemäß noch nichts mitbekommen und hege in der Rückschau auch leichte Zweifel, ob meinen Angehörigen die Tragweite der politisch- militärischen Entwicklung im Jahre ´62 in ausreichendem Umfang bewußt war :| .
    Wie auch immer: die Karibikinsel Kuba war jahrhundertelang spanische Kolonie und geriet 1898 nach dem Spanisch- Amerikanischen Krieg in die völlige Abhängigkeit von den USA, deren Außenpolitik im Gefolge der europäischen Großmächte ebenfalls immer imperialistischere Züge trug.
    Jahrzehntelang diente Kuba den Vereinigten Staaten i.W. als "Zuckerfabrik", bis 1959 in einer Revolution das Batista- Regime von den Guerilleros unter Fidel Castro und Ernesto Guevara ("Che") beseitigt wurde.
    Zunächst hofften die Amerikaner, sich mit den neuen Machthabern vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht arrangieren zu können. Dies schlug fehl, nachdem zunehmend amerikanischer Grundbesitz auf Kuba enteignet und politische Bande zur Sowjetunion geknüpft wurden.
    Die USA reagierten darauf zunächst mit einem Handelsembargo und brachen schließlich die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ganz ab. Eine stümperhaft von den Amerikanern (hier insbesondere der CIA) vorbereitete Invasion von Exilkubanern endete kläglich im Jahre 1961 unter dem Namen "Desaster in der Schweinebucht".
    Im Oktober 1962 spitzte sich die Krise zu, als ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug auf Kuba stationierte Sowjetraketen entdeckte. Präsident John F. Kennedy berief daraufhin umgehend einen Krisenstab ein, der sich aus Angehörigen des Militärs und des Außenministeriums zusammensetzte. Während die Militärs für direkte Gegenmaßnahmen in Form von Luftangriffen votierten, sprachen sich Zivilbeamte zunächst für eine Seeblockade aus, der Kennedy letztendlich auch zustimmte.
    Dennoch wurde die Alarmbereitschaft des strategischen Luftwaffenkommandos (nach einigen Quellen ohne die Zustimmung des Präsidenten) erhöht, wovon auch die Sowjets erfuhren.
    Als sich die ersten sowjetischen Schiffe mit Raketenkomponenten dem Blockadering um Kuba näherten, stieg die Spannung auf das Äußerste. Nachdem die ersten beiden Frachter unbeschadet die Sperre durchbrochen hatten, drehte der Rest des Konvois auf Anweisung von Moskau wieder ab.
    Unterdessen kam es im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum Eklat, nachdem der sowjetische Botschafter die Stationierung von Raketen auf Kuba schlichtweg geleugnet hatte. Moskau war fest davon überzeugt, daß die Amerikaner ein "sozialistisches Arbeiter- und Bauernparadies" vor ihrer Haustür mittel- bis langfristig nicht dulden würden und eine Invasion der Zuckerinsel vorbereiteten.
    Chruschtschow spielte in dieser angespannten Situation mit dem Feuer und forderte den Abzug der amerikanischen Mittelstreckenraketen aus der Türkei als Vorbedingung für einen Stationierungsverzicht sowjetischer Raketen auf Kuba.
    Die politische Wende kam am 27. Oktober 1962, als Robert Kennedy dem sowjetischen Botschafter Dobrynin einen "Deal" anbot. Die USA würden auf Interventionen in Kuba verzichten, wenn Moskau seine Raketen von dort abzöge. Außerdem würden die Amerikaner ihre Raketenbasen in der Türkei abbauen, dieses müsse jedoch ohne großes Aufsehen "inoffiziell" geschehen. Die Sowjets erklärten sich damit einverstanden, womit die Gefahr eines atomaren "Dritten Weltkriegs" vorläufig gebannt war.
    In der westlichen Welt wurde John F. Kennedy daraufhin als der politische Gewinner der Kuba- Krise gefeiert.
    In der Realität entsprach der "diplomatische Sieg" des amerikanischen Präsidenten jedoch weitgehenden Zugeständnissen an die Sowjetunion, nämlich einer Zementierung des politischen Status von Kuba (der bis heute andauert), sowie einer deutlichen Schwächung der europäischen Südostflanke der NATO.
    Weitere Folgen der Kuba- Krise waren die Installierung einer direkten Verbindung zwischen Moskau und Washington für Krisenfälle, dem sog. "Heißen Draht", sowie der allmähliche, zaghafte Beginn einer Entspannungspolitik zwischen den USA und der Sowjetunion.
    Interessante, sehenswerte Doku zum Thema: www.youtube.com/watch?v=AoPZ9e0hKXU

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    Freitag, 13. Juli 2018, 17:22

    RE: Bewegende Momente der 60er Jahre - Die Kuba- Krise 1962

    Als damals fünfjähriger Steppke habe ich von den damaligen Ereignissen naturgemäß noch nichts mitbekommen und hege in der Rückschau auch leichte Zweifel, ob meinen Angehörigen die Tragweite der politisch- militärischen Entwicklung im Jahre ´62 in ausreichendem Umfang bewußt war :| .

    Ich glaub' schon. Das war offenbar sehr medienpräsent damals. Meine Eltern haben mir später erzählt, daß sie die Sachen von uns Kindern ferngehalten haben, aber an dem Nachmittag, als die Meldung vom Abdrehen der Schiffe kam, äußerst erleichtert waren und vorher mit dem Schlimmsten gerechnet hatten. Ein Bekannter von mir, altersmäßig in etwa zwischen mir und meinen Eltern angesiedelt, erzählte, er habe damals die "Zauberflöte" aufgelegt, die Fenster geöffnet und den Atomschlag mit Mozart erwartet ...

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    Freitag, 13. Juli 2018, 18:47

    Die Wahrnehmung der Kuba- Krise

    Meines Erachtens hing das auch von dem damaligen Bildungshintergrund einzelner Familien ab. Soweit mir erinnerlich, gab es in den frühen 60ern bei uns keine Tageszeitung. Mein Vater (Jahrgang 1932) war zwar ältester Sprößling einer mittelständischen Unternehmerfamilie, mußte aber in den frühen 50ern, bedingt durch Flucht und Vertreibung, wieder von vorn anfangen und bekam aufgrund der Verhältnisse zwischen 1945 und 1949 in der SBZ auch nicht die schulische und Berufsausbildung, die heute ohne weiteres möglich wäre.
    Inwieweit die Tagesschau die kritische Situation im Oktober 1962 korrekt "gewichtet" hat, entzieht sich meiner Kenntnis und wäre einer Untersuchung wert.

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    Freitag, 13. Juli 2018, 18:55

    Wie gesagt, ich gehe davon aus, daß die Sache den Leuten allgemein sehr präsent war. Meine Eltern haben sich ansonsten nicht großartig um Politik etc. gekümmert ...

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    Freitag, 13. Juli 2018, 20:14

    BILD zur Kuba- Krise

    Das wäre meine anschließende Frage gewesen: inwieweit hat neben der Tagesschau der Springer- Verlag mit seinem Flaggschiff "BILD" die damalige Krise breitesten Bevölkerungsschichten in Deutschland nahegebracht ?
    Laut Ausgabe vom 24.10.62 scheint man sich bei BILD weitgehend an den Realitäten orientiert zu haben. Besten Dank für diese Quelle !
    Meine Vorfahren in direkter Linie kann ich dazu leider nicht mehr befragen, die weilen schon lange in anderen Dimensionen... :| .

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    Sonntag, 22. Juli 2018, 20:23

    Kubakrise

    Hierzu habe ich eine deutliche Erinnerung. Zu dieser Zeit war ich in der zweiten Klasse. Wie das damals so war, es fehlte an einer Klassenlehrerin und so wurden wir eine Zeit lang unterrichtet vom Rektor der Schule. Dieser Herr H. war noch von der "alten Schule" , extrem autoritär, da gab es durchaus mal eine Backpfeife oder Schüler(Innen) wurde angebrüllt und unflätig fertig gemacht.

    Dieser Herr hat uns allen Ernstes am Ende des Unterrichts mit der Nachricht nach Hause geschickt, dass wir sehr wahrscheinlich bald wieder Krieg haben. Das war für mich extrem beunruhigend, hatte ich doch noch einiges vom Krieg mitbekommen aus den Erzählungen der "Alten". Allerdings hat das dann meine Mutter gleich dementiert, zudem hat mein Vater das Abends zu "Fake News" erklärt, vermutlich wider besseres Wissen. Aber mir ging es dann wieder gut. :D