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    Montag, 28. Mai 2018, 09:23

    Faule Lehrer

    Hattet Ihr eigentlich auch faule Lehrer? Wir hatten einen!


    B. gab als Hauptfach Sport. Er kam - zumindest bei schönem Wetter - mit dem Rennrad zur Schule. Vorgeturnt hat er aber nicht: er hatte es angeblich mit den Bandscheiben und tat immer sehr schmerzverzerrt. Also erklärte er die Übungen und ließ sie von den Sport-Assen vorturnen. Die anderen mußten es dann ebenso machen. Wer versagte, hatte Pech gehabt; Hilfe gab es keine.
    Ich gehörte zu den Versagern. Wegen Problemen mit der Wirbelsäule, wie ich heute weiß. Damals bekam ich die Rolle um den Barren nicht hin. Die halbe Klasse mußte mich auf Anweisung von B. um die Stange wursteln - es war entsetzlich peinlich.

    Zum Sportunterricht gehörte das Schwimmen. Wer vorher schon schwimmen konnte, konnte es hinterher auch noch, immerhin. Ich kann heute noch nicht schwimmen. Es gab ja im Unterricht keine Hilfe, nicht mal von den Mitschülern, und von B. ohnehin nicht. Der stand nur am Beckenrand und markierte den Bademeister.

    Als Frau G., sie gab Deutsch und Englisch, schwer erkrankte, sprang B. im Deutschunterricht ein. Manchmal tat er minutenlang... nichts. Saß nur auf seinem Schreibtisch und starrte versonnen ins Leere. Dann ging ein Ruck durch ihn: "Ach, ja!" und dann ging es irgendwie weiter. Vor allem flirtete er gerne mit den Mädchen.
    Dank B. bin ich im Deutschunterricht schwer abgestürzt.

    B. war einfach ein Mann, der keine Lust hatte, etwas zu tun, dem auch die Fähigkeit zu vermitteln fehlte. Er trägt wahrhaftig nicht die Hauptschuld daran, daß ich eine Ehrenrunde einlegen mußte. Daß aber Deutsch dabei eine Rolle spielte, das kreide ich ihm schon an. :thumbdown:

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    Montag, 28. Mai 2018, 17:01

    Lehrer als Spiegel der Gesellschaft gestern und heute

    Im Vergleich zu dem, was mir meine Töchter aus dem aktuellen Schulalltag berichten (die älteste hat´s gerade hinter sich), kann ich nicht behaupten, daß ich in meiner "aktiven" Schulzeit jemals mit im weitesten Sinne "faulen" Lehrern zu tun gehabt hätte.
    In der Grundschulzeit zwischen Ostern 1963 und Weihnachten 1966 hatten wir zunächst eine Junglehrerin namens Fräulein J., die kurze Zeit darauf heiratete und von Stund an Frau P. genannt wurde. Einige Zeit später wurde sie dann schwanger und verschwand völlig von der schulischen Bildfläche. Ich meine mich erinnern zu können, daß dieser "Vorgang" im Jahre 1963 zumindest von diversen Eltern mit einigem Befremden aufgenommen wurde.
    Wie auch immer, ab Klasse 2 b hatte wir dann Frau K., die uns für den Rest unserer Grundschulzeit sehr engagiert und liebevoll betreute und an die ich mich heute noch mit größter Hochachtung erinnere.
    Sport hatten wir während der Grundschulzeit überhaupt keinen, der begann für mich erst in der fünften Klasse einer "Realschule für Jungen". Dort herrschte ein recht rauhes Regiment, da einzelne Lehrer teilweise noch die Prügelstrafe verabreichten. Unterrichtsausfall wegen Krankheit o.ä. hatten wir in den sechs Jahren bis zur Mittleren Reife, soweit es meine grauen Zellen noch hergeben, im Gegensatz zu heute überhaupt keinen.
    Unsere Steißtrommler waren oft schon etwas angejahrte Herren, meist mit Weltkriegserfahrung, trugen Anzüge mit Krawatte und forderten uns leistungstechnisch einiges ab. Daran, daß einzelne Pauker es ruhiger angehen ließen, kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Fünf bis sechs Stunden Nachmittagspensum zum Anfertigen der Hausaufgaben waren keine Seltenheit.
    Im "Spocht" war ich, ähnlich wie Trip es erwähnte, nicht die allergrößte Kanone und mit schöner Regelmäßigkeit auf eine Vier im Zeugnis gebucht. Wobei meine Leistungen durchaus zweigeteilt waren: Leichtathletik mit 100 m- Lauf, Hoch- und Weitsprung sowie Fußball mochte ich und erbrachte da gelegentlich auch recht respektable Leistungen. Gehaßt habe ich dagegen den Hallensport mit seinen Turngeräten nach Art eines Turnvater Jahn. Schwimmunterricht hatten wir auch , wobei unser langjähriger Sportcoach Franz M. die Nichtschwimmer einfach per Wurfübung ins Schwimmerbecken beförderte. Danach konnte ausnahmslos (!) jeder schwimmen, was uns zeigte, daß es meist nur um die Angst vor dem tiefen Naß ging, die überwunden werden mußte.
    Von Sportlehrer Franz M. ging die Sage, er sei im Krieg Stukaflieger gewesen, was uns einigen Respekt abnötigte. Gesprochen haben wir mit ihm nie darüber, dies stand uns "Pimpfen" in den 60er Jahren einfach nicht zu. Ansonsten war M. eine bergische Frohnatur, der auch mal alle Fünfe gerade sein ließ und im Deutschunterricht gern mit nassen Tafelschwämmen und Kreidestücken zielsicher nach schwätzenden Schülern warf, was bei Treffern ( meist traf er) jedesmal ein großes Hallo unter uns Pennälern auslöste.
    Passend zu meinem aktuellen Blog zur Olympiade 1968 sei noch gesagt, daß die schulische Leistungssichtung und Begabtenförderung zumindest an meiner Schule sehr im Argen lag. Mit Ausnahme einiger Fußballtalente, die dann später in lokalen Vereinen mitmischten, wurde eben nur das sportliche Pflichtprogramm inklusive der Bundesjugendspiele abgespult, die ich in meinen späten Schuljahren dann auch noch schwänzte.
    Heutzutage haben dagegen nicht wenige Lehrer ein eher "entspanntes" Verhältnis zu ihrem Beruf. Insbesondere verbeamtete Studienräte, die praktisch kaum kündbar sind, neigen gelegentlich zum "Krankfeiern" oder nehmen an Weiterbildungsmaßnahmen oder Klassenfahrten mit, was sich eben nur bietet. Oft zum Leidwesen der Schulleitung, die dann versuchen muß, dennoch eine halbwegs geordnete Unterrichtsversorgung zu organisieren :| .

    3

    Dienstag, 29. Mai 2018, 12:55

    Wir hatten einen Englischlehrer, der gern mit Schirm, Charme und Melone sozusagen "full dressed" in Erscheinung trat und gelegentlich während des Unterrichts ins nahegelegene Cafe Klinge Kaffee trinken und Zeitung lesen ging ...

    :)

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    Dienstag, 29. Mai 2018, 15:03

    Wir hatten da auch einen ...

    In der Grundschulzeit hatten wir Musikunterricht bei einem kleinen, älteren, dicklichen glatzköpfigen Herren. Wir haben exakt ein Lied gelernt : An meiner Ziege hab ich Freude". Dieser Pädagoge war große Teile des Unterrichts damit beschäftigt, seine Geige zu stimmen mit Hilfe einer Stimmflöte (tröööt) . Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er jemals ein Lied gespielt hat auf seine Fiedel. Er hatte eine Vorliebe für kleine Mädels, die sich auf seinen Schoß setzen "durften", und die erzählen mussten wer die Eltern sind., ob sie verwandt wäre mit dem&dem etc., am Ende gab es ein Küsschen und das Kind konnte wieder zum Platz zurück. Man muss sich mal vorstellen, so etwas würde heutzutage ein Lehrer machen ;( , der wäre schnell weg vom Fenster. Was er auch gerne gemacht hat, ein Kind dufte zum Bahnhofskiosk, ca. 5 Minuten Weg, gehen und für ihn "VIVIL" holen. Ältere Jungs aus höheren Klassen durften ihm aus dem Gambrinus (Gaststätte + Metzgerei) gegenüber einen Bembel Äppelwoi holen, das "Gerippte" stand unter seinem Schreibtisch, und er gönnte sich abwechselnd ein Gläschen und dann ein VIVIL um die "Fahne" zu kaschieren . Die Beschaffung des Alkohols betraf uns nicht, denn zu der Öffnungszeit der Kneipe hatten wir bereits "aus". Der Unterricht fand aus Platzmangel etwas abseits vom eigentlichen Schulgebäude im alten Rathaus statt. Deshalb blieben seine Eskapaden weitgehend unbemerkt.