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    Samstag, 14. April 2018, 14:53

    Gerüche

    Wohin mit diesem Thema?
    Ich setze es mal hier hinein, denn es hat zumindest etwas mit dem Alltag zu tun und spielte sich meist in der Familie ab: die olfaktorischen Reize.

    Gerüche sind, wie man heute weiß, wichtig für das Erinnerungsvermögen. Ein bestimmter Duft kann uns emotional wieder in vergangene Zeiten zurück versetzen.
    Das geht mir nicht anders.

    Ich bade noch heute in "Fichtenkiefernnadellatschenschaumbad," denn darin und nur darin wurde in meiner Kindheit und Jugend gebadet. Es ist schon fast eine stehende Redensart, daß früher am Samstagnachmittag die ganze Straße (wahrscheinlich ganz Deutschland) danach roch. Gut für die Haut ist diese chemische Bombe wahrscheinlich nicht, aber wenn ich mal in etwas anderem bade, fehlt mir was.

    Unvergessen ist für mich auch der Duft, der Omi umgab: Echt Kölnisch Wasser von 4711 und Haarspray von Elnett. Ich bilde mir, daß letzteres immer noch so riecht wie damals.

    Was mich auch mit Behagen erfüllt - die Umweltschützer mögen's mir verzeihen -, ist der Geruch von Kohlen und Briketts aus den Schornsteinen. Wenn ich im Winter zum Zeitschriftenladen trabe, steigt's mir von irgendwo her in die Nase und erinnert mich an jene Winterwohligkeit, als es Kohleöfen noch in fast jedem Haushalt gab.
    Vor einem Vierteljahrhundert habe ich zuletzt in einem Haus mit Ofenheizung gewohnt. Das gab viel Arbeit und Dreck, aber an die wohlige Wärme eines Ofens kommt keine andere Heizung heran.
    Und obwohl ich mich nicht für Dampfloks interessiere, mag ich sie trotzdem sehr gerne: sie riechen genauso.

    Und dann ist da noch die Landluft.
    Ich meine nicht den Gestank von Mist und Jauche, ich meine einen ganz typischen Duft nach Land und Dorf. In meiner Kindheit und Jugend hatten wir Verwandte auf dem Land und seit 30 Jahren bin ich selber ein Landei, aber diesen Duft von damals erlebe ich hier nicht mehr. Vielleicht liegt es daran, daß es in den 60ern in diesem bewußten Dorf kaum Autos und Traktoren gab und die Luft deshalb allgemein reiner war.

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    Samstag, 14. April 2018, 17:41

    ... und dann war da noch der Duft von Bohnerwachs im Treppenhaus, die Kiefern in der Sommerhitze, die Luft nach einem Gewitterregen, der Duft von meinem Lederschulranzen, ...

    Was ich am meisten mochte, war der Geruch der Bücher. Jedes Buch roch anders und die meisten meiner Bücher konnte ich am Geruch erkennen.

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    Mittwoch, 18. April 2018, 12:14

    Düfte

    Den Geruch vom "Kartenraum" (auch Geräteraum bzw. Rumpelkammer) in der alten Grundschule hab ich noch immer in der Nase, dieser Mix aus Bohnerwachs , den Medizinbällen aus Leder (gefettet) , altem Papier, Büchern etc.

    Als zuweilen melancholischer Nostalgiker bin ich mal vor ein paar Jahren mit meinem Hund im Ort, in dem ich meine Kindheit verbracht habe, spazieren gegangen. Es war Sonntag später Vormittag und wir liefen eine Runde im alten Terrain, und irgendwie war das nicht mehr meins . Die alten Barracken standen nicht mehr, stattdessen ein Neubau, der Hang (genannt der Atzelsberg) der ursprünglich eine Art legal/illegale Müllkippe war, später mit Erde bedeckt und überwuchert und der im Winter die ideale Rodelbahn darstellte (sofern man in der Lage war, rechtzeitig zu bremsen weil sonst drohte man in einem Bach zu landen) , das alte Schulgebäude (siehe oben) zum Feuerwehrquartier umgebaut, der alte Schulhof überbaut , die alten Kastanien weg und und und , irgendwie alles fremd. Bis zu dem Moment, in dem mir der Duft von in Schweineschmalz gebratenen panierten Schnitzel in die Nase geriet. Dieses sonntägliche Standardgericht verschaffte mir sofort das Gefühl ich bin wieder "daheim".

    Ganz ähnlich geht es auch mir mit Kohle- und Brikettfeuer, auch wenn man das nur noch sehr selten in den Dörfern in die Nase bekommt. Erdkeller, in denen Äpfel eingekellert sind, gibt es wohl auch nicht mehr.



    :|

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    Mittwoch, 18. April 2018, 12:24

    Landluft

    @Trip



    Diese Landluft vermisse ich auch. Was da heute in Form von Gülle die Luft verpestet, ist nicht vergleichbar mit dem, was die Bauern früher ausgebraucht haben, nämlich "Mist". Der bestand zum großen Teil aus Stroh, zum Teil bereits im Misthaufen verrottet plus Fäkalien, die aber olfaktorisch ihre Schärfe bereits verloren hatten dank der "Liegezeit".

    Der Mist wurde mit Miststreuerwagen auf die Äcker verbracht und eingearbeitet. Bei dieser Form der Düngung musste man keine all zu große Sorge haben, dass das Grundwasser kontaminiert wird, jedenfalls nicht in dem Maße wie das heute der Fall ist mit der flüssigen Gülle.

    Eine weitere Komponente der "Landluft" war sicher auch, dass noch Tiere auf Weiden standen, die Äcker viel kleiner waren und sich die Düfte der unterschiedlichen Feldfrüchte gemischt haben (Kartoffeln, Futterrüben, Weizen, Gerste, Roggen auf einer Fläche, auf der heute nur Weizen oder Raps angebaut wird) .

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    Mittwoch, 18. April 2018, 16:50

    Landbau damals und heute

    So sieht´s aus, und infolge bekommen wir ein Riesenproblem mit aussterbenden Insektenpopulationen. Früher waren es oft die eher lästigen Viecher, teils auch bei Warmblütern saugend und stechend. Heute haben wir im Umfeld urbaner Siedlungen oft umfangreichere Bestände von Bestäuberinsekten als auf dem Land, weil in den Kommunen kaum oder keine Insektizide und Akarizide ausgebracht werden. Insbesondere Neonikotinoide bereiten da ganz große Sorgen und sind dennoch nicht verboten worden.
    Altvordere werden sich vielleicht noch an die Insektizidgranate "Metasystox" erinnern können. Das Zeug wirkte systemisch und hat selbst einmal die Hunde meines Chefs, die etwas verschüttete Spritzbrühe vom Boden aufleckten, nachhaltig flachgelegt. Da half dann nur noch eine Magenspülung.