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    Dienstag, 5. September 2017, 13:23

    Mecki

    Trotz seiner großen Popularität vornehmlich in den 50er bis 70er Jahren bis hin zu einer Frisur, die nach ihm benannt wurde, war der sympathische Igel ursprünglich i.W. ein Kriegskind.
    Persönlich kam ich mit "Mecki", wie viele andere meiner Zeitgenossen auch, in den 60er Jahren durch die Comicumsetzungen in der "HörZu" in Verbindung, bis meine Mutter ab ca. 1966/67 auf die kostengünstigere "Funk Uhr" umstieg und damit meine Zeit mit "Mecki" schlagartig beendet wurde. Gemocht habe ich damals insbesondere den stets schläfrigen "Schrat", vermutlich weil ich mich mit seiner Lebenshaltung in gewissen Grenzen durchaus identifizieren konnte ^^ .
    Die Figur des kleinen Igels entstand ursprünglich durch einen Puppenanimationsfilm der Brüder Diehl, die 1939 im Auftrag der Reichsstelle für den Unterrichtsfilm die Grimm´sche Fabel vom "Hasen und dem Igel" gekonnt filmisch in Szene setzten. Der fertige Stummfilm wurde sowohl im Schulunterricht als auch während der Kriegsjahre bei der Truppenbetreuung eingesetzt und gewann dadurch eine derartige Popularität, daß ebfs. Postkarten mit dem Portrait des damals noch namenlosen Igels herausgegeben wurden.
    Nach dem Krieg produzierte Ferdinand Diehl zwischen 1951 und 1958 weitere Puppentrickfilme mit dem bekannten Igel, vertrieb sehr erfolgreich die dazu passenden Postkarten und vergab nach anfänglichen Rechtsstreitigkeiten eine Lizenz an die damals noch junge Hörfunkzeitschrift "HörZu", die 1946 erstmalig erschien und bei der "Mecki" erstmals 1949 auftrat. Zunächst entwarf Reinhold Escher den gezeichneten Igel, der bis 1951 lediglich in einzelnen Panels eine kommentierende Funktion innehatte. Erst in der "HörZu" 32/1951 erschien die erste Comicgeschichte, bei der "Mecki" ebfs. zunächst nur erzählend und kommentierend in einem Panel in Erscheinung trat. Ab Heft 43/1953 erschienen dann erstmalig abgeschlossene "Mecki"- Comicerzählungen, die sich, auch im Sinne einer verstärkten Leserbindung, in den Folgejahren allmählich zu Fortsetzungsgeschichten weiterentwickelten.
    Ergänzt wurde "Mecki" durch weitere Protagonisten wie die beiden äußerst populär gewordenen Figuren "Charly Pinguin" sowie den unvergessenen "Der Schrat". Daneben gab es den Urwaldzauberer "Kokolastro", den "Fliegenpeter" oder die "Hexe Drule", die teils den eher dunklen Gegenpart zu den Hauptprotagonisten abbildeten.
    Parallel zu den Comicseiten in der "HörZu" entstanden zwischen 1952 und 1964 dreizehn illustrierte "Mecki"- Bücher, die in jedem Jahr zur Weihnachtszeit in die Geschäfte gelangten. Die heimeligen, graphisch sehr gut gelungenen Bücher gewannen rasch eine große Popularität und werden bis heute immer wieder neu aufgelegt:
    1. Mecki im Schlaraffenland (1952)
    2. Mecki bei den sieben Zwergen (1953)
    3. Mecki bei den Eskimos (1954)
    4. Mecki bei den Chinesen (1955)
    5. Mecki bei den Indianern (1956)
    6. Mecki bei den Negerlein (1957)
    7. Mecki bei Prinz Aladin (1958 )
    8. Mecki auf dem Mond (1959)
    9. Mecki und die 40 Räuber (1960)
    10. Mecki bei Harun al Raschid (1961)
    11. Mecki bei Sindbad (1962)
    12. Mecki bei Zwerg Nase (1963)
    13. Mecki bei Frau Holle (1964)
    Der für 1965 angekündigte Folgeband "Mecki bei Aschenputtel" wurde aus mir unbekannten Gründen nicht mehr verlegt.
    Während die "Mecki"- Comicseiten der "HörZu" bis Ende 1957 in älteren Lesern noch wohlbekanntem sepiabraun gedruckt wurden, erschienen sie danach bereits vollständig in Farbe. Ab Ausgabe 41/1969 war der Igel keine eigenständig handelnde Figur mehr, sondern trat nur noch als Erzähler auf und schilderte die Abenteuer von "Charly Pinguin" und "Dem Schrat". Parallel zu der sich auch im Verlagswesen vollziehenden "68er- Kulturrevolution" machte sich "Mecki" in den frühen 70er Jahren rar und wurde zeitweise ganz durch andere Comics abgelöst. Zwischen 1975 und 1978 erlebte er eine Wiederauferstehung, die ab 1984 mit wechselnden Zeichnern, moderneren Layouts und anderen Inhalten bis in die Gegenwart fortgesetzt wurde.
    Neben den Nachdrucken der alten "Mecki"- Bücher veröffentlicht der Esslinger- Verlag seit 2009 auch die alten Comic- Seiten aus der "HörZu" in Form von Jahrgangsbänden, was außerordentlich zu begrüßen ist.
    "Mecki" und seine Freunde sind Figuren, die in ihrer Zeit eine ungeheure Popularität genossen, die z.B. von der Firma Steiff als Puppen verlegt wurden und auch von vielen Kindern gelesen werden konnten, die ansonsten wenig bis gar nicht mit regulären Comics dieser Jahre in Berührung kamen.
    Insofern sind für sehr viele von uns die Abenteuer des sympathischen Igels mit schönen, bleibenden Erinnerungen verbunden :thumbsup: :thumbsup: .