Ernährung

Trümmer, Wohnungsnot, Flüchtlingsströme und Hungersnöte bestimmten die Zeit nach dem Kriegsende 1945. Nur mit viel Improvisationstalent und einer großen Portion Leidensfähigkeit gelang es sich in den Trümmern der Nachkriegsjahre zu behaupten. Aus Eicheln wurde Malzkaffee, aus Bucheckern Öl gewonnen. Aus Wildkräutern konnte man Salate und aus Kartoffelschalen eine dünne Suppe anrichten. Zigarettenkippen der Besatzungssoldaten wurden gesammelt, um wenigsten zwei, drei Züge rauchen zu können.

Durch Marschallplan, Marktwirtschaft und der Währungsreform 1948 verbesserte sich der allgemeine Lebensstandard schnell und die Regale in den Lebensmittelläden füllten sich. Durch die Entbehrungen der Nachkriegsjahre entstand ein beträchtilicher Nachholbedarf, was zur "Fresswelle" der 50er-Jahre führte. Hungern musste in den 60er-Jahren in Deutschland keiner mehr. Ein Kühlschrank stand inzwischen als erstes elektrisches Haushaltsgerät in den meisten Haushalten. Die heutige Vielfalt der Lebensmittel gab es jedoch noch lange nicht.

Butterbrote waren der übliche Pausensnack auf den Schulhöfen. Fleisch gab es meist nur an Sonn- und Feiertagen. Einfache Mahlzeiten wie Eintopf, Pfannkuchen, Kartoffel mit Spinat und Ei, Kartoffelpuffer usw. standen auf den Speiseplan. Was übrig blieb, wurde aufgehoben und am nächsten Tag wiederverwendet.

Einkauf und Zubereitung der Speisen waren zeitintensiv. Obst und Gemüse gab es gemäß den Jahreszeiten, meist aus dem eigenen Garten. Für den Winter wurde Obst eingekocht. Im Keller standen Regale voller Einmachgläser mit Erdbeeren, Kirschen, Mirabellen, Birnen, Pflaumen und Apfelmus. Eingekauft wurde noch in den "Tante-Emma-Läden", wo man an der Ladentheke warten musste, bis man an der Reihe war und die Verkäuferin jeden Artikel selbst heraussuchte, portionierte und abwog. Verpackt wurden die Portionen in Papiertüten, Getränke gab es durchweg in Glasflaschen. Nachhause getragen wurde der Einkauf im Einkaufsnetz oder -korb. Plastiktüten oder -verpackungen gab es nicht. Für den Einkauf gab es je nach Betrag Rabattmärkchen, die man in ein Heft einkleben und wenn dieses voll war, einlösen konnte.

Es gab ein Regal mit Bonbongläsern mit den unterschiedlichsten Bonbons, die schon für Pfennigbeträge zu haben waren, es gab noch bunte Zuckerstangen sowie Dauerlutscher, an denen man über eine halbe Stunde lutschen konnte. Der Satz "Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt", aus der Werbung für Colgate-Zahnpasta, war in den Zahnarztpraxen nur selten zu höhren. Viele der Süßigkeiten von damals, wie die Lakritzpfeifchen, die Glückstüten oder Wundertüten, die Schokolade- oder Kaugummizigaretten, deren Packungen denen von echten Zigaretten so täuschend ähnlich sahen, dass man damit die Erwachsenen erschrecken konnte, indem man behauptete, man besäße echte Zigaretten und rauche schon, sind heute ausgestorben und kaum jemand erinnert sich noch daran.

Zigaretten (die richtigen mit Tabak, nicht mit Schokolade oder Kaugummi) oder Alkohol gehörten bei den Erwachsenen zum guten Ton. Unter den Männern gab es nur wenige Nichtraucher und die Anzahl der Raucherinnen nahm schnell zu. Tabak oder Alkohol war als Geschenk zu Weihnachten oder Geburtstagen unter Erwachsenen durchaus üblich. Selbst als Trinkgeld für Handwerker gabs schon mal ein Päckchen Zigaretten oder eine Mark mit dem Hinweis "für Zigaretten". Bedingt durch den Tabak- und Alkoholkonsum sowie dem reichhaltigeren Essen nahm die Zahl der "Wohlstandskrankheiten" wie wie Diabetis, Magen- und Herz-Kreislauf-Störungen bedenklich zu. Eine gesundheitsbewusste Ernährung trat deshalb immer weiter in den Vordergrund. Nicht mehr die Quantität, sondern vor allem die Qualität der Nahrungsmittel galt fortan als wichtig.

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Abbildungen (von oben nach unten):
1: Artikel "Gefahr durch Fett, Teil 1", HÖRZU, Ausgabe 1/1963, Axel-Springer-Verlag
2: Artikel "Gefahr durch Fett, Teil 2", HÖRZU, Ausgabe 2/1963, Axel-Springer-Verlag


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